Hamburg, 12.01.2012. Mit großer Verwunderung hat ProFans den Schritt seitens des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga zur Kenntnis genommen, wenige Tage vor dem Fankongress in Berlin die Ergebnisse einer durch tns-infratest durchgeführten, repräsentativen Umfrage zum Abbrennen von Pyrotechnik zu veröffentlichen. Mit den gewonnenen Ergebnissen sehen DFB und DFL die vor kurzem eingenommene, ablehnende Position einer Legalisierung von Pyrotechnik untermauert.

Bei Betrachtung der zugrunde liegenden, in unseren Augen suggestiven, Fragestellungen der Studie ist das Ergebnis für die bei ProFans beteiligten Gruppen wenig verwunderlich. Durch Äußerungen wie „Pyrotechnik im Stadion ist gefährlich“ wird für die Befragten bereits in der Fragestellung ein negatives Bild von Pyrotechnik gezeichnet. Ein Hinweis auf die Bestrebungen zur Legalisierung von Pyrotechnik mit ihren Kernaussagen findet hingegen nicht statt. Somit erscheint es ProFans fraglich, ob sich die befragten Personen durch die gewählte Fragestellung eine eigene, differenzierte Meinung zur Thematik bilden konnten, welche durch unvoreingenommene Abwägung des Für und Wider zustande kam. Eine einfache „Ja-Nein“ Antworten-Konstellation spiegelt zudem nicht die Komplexität wider, welche das Thema insgesamt aufweist.

In der Erklärung der DFL zur besagten Umfrage, wird nebulös von einer „repräsentativen Umfrage“ unter Bundesbürgern, dann von „den Fans im Stadion“, von „Fußballinteressierten“ und letztendlich von „DEN Fans“ gesprochen. Offen bleibt dabei, wer mit „den Fans“ gemeint ist, die sich hier mit so deutlichen Mehrheitsverhältnissen „gegen Pyro-Technik“ aussprechen. Das Unternehmen tns-infratest hat die Umfrage laut DFB-Homepage im Auftrag von DFL und DFB unter 2.000 Bundesbürgern durchgeführt. Etwa 960 dieser mit statistischen Methoden ausgewählten Bundesbürger hat die Frage bejaht, „Fußballinteressiert“ zu sein (Was auch immer das bedeutet). Die eigentliche Umfrage mit ihren suggestiven Fragen wurde schließlich nur noch mit diesen etwa 960 Personen durchgeführt. Auf der eigenen Homepage gibt tns-infratest an, dass „eine Stichprobe (…) für manche Studien aus 500 Personen bestehen“ kann, für große Studien aber mehrere 10.000 Befragte umfassen sollte. Dieses Vorgehen wäre angemessen gewesen, wenn es um die Wirksamkeit eines Werbespots für Waschmittel gegangen wäre. Um eine Aussage über die Meinung der Bundesbürger zu einem so komplexen Thema wie „Pyro-Technik“ im Stadion machen zu können, wäre eine weniger suggestive Fragestellung und eine ausgewogene und unvoreingenommene Berichterstattung über die Anliegen der Kampagne angemessen gewesen. Noch dazu, da die absolute Mehrheit der Befragten weder Zugang zu dem noch Anknüpfungspunkt an das Thema hat und höchstens durch entrüstete TV-Kommentaren damit in Berührung kommt. Eine Aussage über die Meinung „der Fans“ dürfte recht schwierig werden, die Meinung der Fans in den Fankurven dürfte hingegen klar sein.

Philipp Markhardt, Pressesprecher von ProFans sagt dazu: „Aufgrund dieser fragwürdigen Herangehensweise leisten die Ergebnisse der Studie aus unserer Sicht in der Gesamtdebatte keinerlei inhaltlich verwertbaren Beitrag. Vielmehr wirft dieses Vorgehen für uns neue Fragen auf.“

Welches Ziel versprechen sich DFB und DFL mit der Veröffentlichung dieser Studie wenige Tage vor dem Fankongress? Welche reelle Aussagekraft der gewonnen Zahlen misst man diesen Umfrageergebnissen bei? Ist es bei genauerer Einordnung der Zahlen überhaupt noch haltbar, von einer aussagekräftigen Studie von Fans über Fankultur zu sprechen? Warum hat man sich für solch suggestive Fragestellungen entschieden und hat der Zeitpunkt der Umfrage, kurz nach der Bekanntgabe des Pokalausschlusses von Dynamo Dresden und der damit einhergehenden medialen Diskussion, nicht zusätzlich zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt? Des Weiteren stellt sich die Frage, wieso der DFB die Gespräche im November für beendet erklärt, einen Monat später aber eine Meinungsumfrage in Auftrag gibt und somit die Diskussion um Pyrotechnik in Fußballstadien wieder entfacht.

Eine Legalisierung von Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien IST grundsätzlich möglich. Eine argumentative und sachliche Begründung finden Sie in diversen Stellungnahmen der Kampagne „Pyrotechnik Legalisieren“, die sowohl durch die von der Kampagne selber als auch durch die vom DFB selbst in Auftrag gegebene Studie untermauert wird. Ein Pilotprojekt, welches für Vereine, Verbände und die Fans von großem Mehrwert wäre, könnte die Debatte über Bestrafungen und Repressionen verhindern. Leider wurde in den letzten Wochen durch gezielte Medienarbeit und nun diese Studie versucht, sich des Themas Pyrotechnik durch oberflächliche Verlautbarungen zu entledigen.

Sowohl den Vertretern der Initiative zur Legalisierung von Pyrotechnik als auch der Öffentlichkeit an sich wurden noch immer keine stichhaltigen Argumente geliefert, die gegen die vorgeschlagenen Konzepte sprechen. DFB und DFL erklären die Debatte stattdessen für beendet und versuchen sich ihre eigenen Fakten dazu zu schaffen. Dass dies nur wenige Tage vor dem Fankongress geschieht, schafft einen faden Beigeschmack, wenn die DFL-Geschäftsführung gleichzeitig die Wichtigkeit eines Dialogs mit den Fans betont.

„Wir fordern an dieser Stelle erneut die Rückkehr aller Beteiligten zur Sachlichkeit in den betreffenden Themenfeldern und stehen weiterhin für seriöse, an Lösungen orientierte Gespräche bereit.“ so Philipp Markhardt. Der Fankongress am kommenden Samstag in Berlin bildet dazu einen passenden Rahmen.

ProFans

Wir möchten Sie in diesem Zusammenhang auf folgende unserer Meinung nach lesenswerte Artikel hinweisen:
www.11freunde.de/bundesligen/147927
www.textilvergehen.de/2012/01/10/eil-kein-mord-in-britz-eil

Fankongress zum Erhalt der Fankultur findet am 14. und 15. Januar 2012 in Berlin statt

Zu einem Fankongress in Berlin lädt die bundesweite Faninitiative ProFans am 14. und 15. Januar 2012 ein. Nach der Demonstration “Zum Erhalt der Fankultur” sehen die Initiatoren den Fankongress, der im “KOSMOS” an der Karl-Marx-Allee stattfinden wird, den logischen nächsten Schritt für einen Fußball der Zukunft, in dem Fans ein elementarer Bestandteil sind.

Auch im Jahre 2011 ist das Fußballfandasein eine Herausforderung. Bilder und Berichte von Ausschreitungen, gepaart mit populistischen Forderungen nach mehr Repression und härteren Gesetzen, bestimmen die Medienberichterstattung und prägen somit auch das Bild von Fußballfans in der öffentlichen Wahrnehmung. Eine Berichterstattung über die vielen positiven Aspekte der Fankultur findet so gut wie gar nicht statt. Ebenso wenig spielen die Herausforderungen eine Rolle, denen Fans sich tagtäglich stellen müssen. Der Alltag von Fans ist bestimmt von Konfrontation und Drangsalierung statt Dialog und Transparenz. Obwohl immer wieder betont wird, wie wichtig Fans für den Fußball sind, wird nur von Partnerschaften zwischen den Verbänden, Vereinen, Sicherheitsorganen, Fernsehanstalten und Sponsoren gesprochen. Fans werden nicht als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert.

Der offizielle Abbruch der Gespräche mit den Verbänden – der Ausstieg aus der AG Fandialog im September 2010 – war die logische Konsequenz aus den oben genannten Zuständen, die auch in den Vorjahren bereits zu beklagen waren. ProFans war und ist weiterhin gesprächsbereit, nimmt es jedoch nicht länger hin, dass man nicht ernsthaft mit den Fans redet – ihnen noch nicht mal wirklich zuhört. Niemand erwartet, dass alle Forderungen 1:1 umgesetzt werden, aber eine ernsthafte, gemeinsame und gleichberechtigte Auseinandersetzung mit den Themen ist unumgänglich. Fans sind keine Bittsteller, Fans sind Teil des Fußballs!

Mit der Fandemo im Oktober 2010 wurde von den Fangruppen ein deutliches Zeichen gesetzt. Die Kampagne „Zum Erhalt der Fankultur“ wurde anschließend mit lokalen Aktionen weiter geführt. Es ist nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. “Wir sind bereit zu diskutieren, zu analysieren, zu reflektieren und Konzepte zu entwickeln. Wir wollen Freiräume und Verantwortung, und daher ist es an der Zeit, dass wir unsere Zukunft selber in die Hand nehmen. Dass wir darüber reden und debattieren, Ideen austauschen und Lösungsansätze entwickeln, wie wir uns die Zukunft von Fans im Fußball vorstellen und wie dies machbar ist. Leidenschaftlich und emotional, aber auch selbstkritisch und realistisch”, so Philipp Markhardt, Pressesprecher von ProFans.

Deswegen wird es am Wochenende vom 14. bis zum 15. Januar 2012 einen aus den Reihen der Fans selbst organisierten Fankongress geben, auf dem zusammen mit anderen wichtigen Entscheidungsträgern in Workshops, Referaten und Podiumsdiskussionen darüber gesprochen werden soll, welcher Fußball in der Zukunft vorstellbar ist und welche Rolle Fans in diesem spielen werden.

ProFans im Oktober 2011

Hamburg, 23. März 2010 – Die bei ProFans organisierten Gruppen kritisieren den Einsatz der neuen Überwachungsmethode „Smart Eyes“ beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen den VfL Osnabrück. Eine Überwachung, wie sie durch „Smart Eyes“ möglich wird, hat nichts mit der Aufklärung von Straftaten zu tun, sondern baut eine Kulisse der Einschüchterung auf. Das normale Verhalten im Fanblock, das Hüpfen und Singen, das Schreien und Schimpfen wird automatisch registriert und von einem Computersystem verarbeitet.
Wir sehen im Einsatz dieser Technologie eine weitere Entrechtung der Fußballfans, da sie biometrische Daten bei vollkommen normalen Handlungen erfasst und diese mit Hilfe von verschiedenen Datenbanken in gewisse Gefahrenstufen eingeordnet werden.

Diese Herangehensweise hat leider in den letzten Jahren zunehmend Einzug in die Stadien gehalten und trägt nicht dazu bei, das Spannungsfeld zwischen Fans und Polizei zu entschärfen. Anstatt in immer umfangreichere Überwachungstechnologien zu investieren, sollten sich die zuständigen Stellen bereit erklären, die sozialpädagogische Arbeit der Fanprojekte verstärkt zu fördern.
Eine ähnliche Lage stellt sich für uns bei der Verwendung von „Indect“, einer weiteren Überwachungsmethode, die sich momentan in der Erforschung befindet, dar. Weiterhin ist es schlicht nicht hinnehmbar, dass wir Fußballfans einmal mehr ohne vorherige Information zu Versuchsobjekten von Sicherheitstechnologie werden. Weder die Fans aus Düsseldorf, noch die aus Osnabrück wurden über den Einsatz der „Smart Eyes“ informiert. Es ist einzig und alleine der Verdienst der kritischen Fans und Journalisten, dass wir im Nachgang des Spieles von dem Einsatz dieser Überwachungsmethode erfahren haben.
Wir werden den Einsatz von „Smart Eyes“ und „Indect“ weiter kritisch beobachten und unsere Aktionen in diesem Bereich ausbauen. Es scheint, als wären wir Fans einmal mehr das Versuchsfeld für technische Neuerungen im Bereich Überwachung. Die Stadien sind nur der Anfang, ist das System hier ausreichend getestet, ist eine Ausweitung auf die Straßen und öffentlichen Plätze in Deutschland wohl nur eine Frage der Zeit.

Weitere Informationen:

http://www.stopp-indect.info/
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77299719.html

Berlin, 10. Oktober 2010 – Die gemeinsame Fandemonstration, zu der die drei Fanorganisationen Unsere Kurve, BAFF und ProFans gemeinsam mit weiteren Fan- und Ultragruppen aus ganz Deutschland aufgerufen hatten, wird von den Organisatoren als voller Erfolg gewertet. Mehr als 160 Fangruppen von mehr als 50 Vereinen folgten dem Aufruf und kamen nach Berlin. Insgesamt gingen 6.000 Menschen für ihre Fankultur auf die Straße.

Lautstark und bunt ging es auf der Demonstration zu, während der es vollkommen friedlich blieb. Die Teilnehmer machten Werbung für eine bunte, kreative und vielseitig faszinierende Fankultur. Dabei nutzten sie zahlreiche Fahnen, Transparente und Doppelhalter. Mehrere Redner informierten, worum es den Fans geht und ernteten dafür Applaus.

Sie wiesen auf die Problematik der Restriktionen bei den essentiellen Kurvenelementen, der Fanutensilien, ebenso hin, wie auf die nur noch auf das TV ausgerichteten Spieltagsterminierungen. Vor dem „modernen Fußball“ und seiner maßlosen Entwicklung wurde erneut gewarnt und auf die Probleme bei der Vergabe von Stadionverboten VOR dem Beweis der Schuld des Betroffenen hingewiesen. Auch die berüchtigte Datei Gewalttäter Sport stand auf der Agenda. Hier wurde als Minimalziel eine Transparenz hinsichtlich ihrer Führung gefordert, damit niemand zu Unrecht darin geführt wird.

Doch auch selbstkritische Töne waren zu hören: Die Fans waren sich bewusst, dass die geforderten Freiheiten auch Verantwortung mit sich bringen. Deshalb wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass innerhalb der verschiedenen Fanszenen eine selbstkritische Reflexion der eigenen Handlungsweisen bereits eingesetzt hat und zukünftig weiter stattfinden muss, um als glaubwürdiger Ansprechpartner auf Augenhöhe zu agieren.

Begrüßt wurde von den Teilnehmern zudem das Engagement von Amnesty Polizei im Rahmen der Fandemonstration. Hier ist eine weitere Zusammenarbeit wünschenswert.

Die Demo „Zum Erhalt der Fankultur“ war erst der Anfang und der Beginn einer längerfristig angelegten Kampagne, bei der jeder Fan eingeladen ist mitzuwirken. Es wurde die Internetseite http://www.erhalt-der-fankultur.de eingerichtet, auf der künftig über sämtliche Beiträge und Aktionen für diese Kampagne berichtet wird. Auf der Internetseite sind auch weiterführende Texte und Informationen sowie Fotos der Demo zu finden.

ProFans ruft zur Demo auf

4. Oktober 2010
Kategorie: Pressemitteilung

Fanorganisationen rufen zur Fandemo am 09. Oktober 2010 in Berlin auf!

Hamburg, 1. Oktober 2010 - Nach den zahlreichen Negativschlagzeilen der letzten Spielzeit ist es jetzt – am Anfang der neuen Saison – an der Zeit durch eine fanübergreifende Aktion öffentlich zu antworten, die Vorwürfe zu kommentieren und richtig zu stellen. Deshalb rufen die drei Fanorganisationen Unsere Kurve, BAFF und ProFans gemeinsam mit weiteren Fan- und Ultragruppen aus ganz Deutschland zur Teilnahme an der Fandemonstration am 09. Oktober in Berlin auf.
Wir wollen gemeinsam für die Fankultur auf die Straße gehen, die wir leben. Wir wollen kundtun, wie bunt kreativ und vielseitig faszinierend Fankultur ist. Wir wollen es nicht zulassen, dass aufgrund weniger negativer Vorkommnissen sämtliche positive Elemente in den Schatten gestellt werden und Fußballfans von den Medien, aber auch seitens Offiziellen von DFB/DFL stets als Problem dargestellt und von der Bevölkerung in dieser Folge auch so wahrgenommen werden. Denn Eines ist sicher: Fußball ist nur mit uns das, was alle fasziniert!
ProFans-Sprecher Philipp Markhardt verdeutlicht noch einmal die Zielstellung: „Unter dem Motto „Zum Erhalt der Fankultur“ fand bereits im Jahr 2002 in Berlin eine gemeinsame Demonstration von Fans verschiedenster Vereine statt und auch 2005 wurde mit der Demonstration in Frankfurt ein klares Zeichen für den Erhalt der Fankultur gesetzt. Mit der jetzigen Demo wollen wir den Bogen zu 2002 schlagen und das damals begonnene Engagement endlich zu einem positiven Ergebnis weiterführen, so dass schlussendlich spürbare Verbesserungen für die Fans entstehen“.

Bei der diesjährigen Demo wird auf die aktuellen Probleme von Fußballfans und Gefahren für unsere Fankultur hingewiesen:
Fanutensilien als essentielle Elemente, die Kreativität und Farbe unserer Kultur ausmachen, stehen oft großen Restriktionen, Einschränkungen und Verboten gegenüber, die oftmals reine Schikane und Machtdemonstration sind und so gut wie nie auf realen Sachzwängen beruhen. Dem muss durch eine bundesweit verbindliche Regelung ein Ende gesetzt werden!

Auf die Wünsche und Bedenken oder Argumente der Fans bei der Erstellung des neuen Anstoßzeitenkonzepts, sowie bei den aktuellen Spieltagsterminierungen wird keine Rücksicht genommen. Für die Fans wird es dadurch immer schwieriger Ihrer Mannschaft zu den Spielen zu folgen und sie zu unterstützen. Wir fordern Spielpläne, die endlich denen gerecht werden, die ihre Mannschaft immer und überall unterstützen!
Wenn sich die Fans „gegen den modernen Fußball“ aussprechen, dann wehren Sie sich gegen eine maßlose Entwicklung, die alle anderen Interessen der Profitmaximierung unterordnet. Der Verkauf von Stadionnamen, die Variation der Vereinsfarben und eine zunehmende Steigerung der Eintrittskartenpreise, um nur einige Ausprägungen zu nennen, werden zukünftig nicht mehr einfach so hingenommen. Dies zeigt ganz aktuell auch die Kampagne “Kein Zwanni für nen Steher” die von den Dortmunder Fans initiiert wurde, da die Ticketpreise zum Derby gegen Schalke im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent gesteigert wurden. Aber auch andernorts sieht die Situation nicht besser aus. So boykottieren einige Bremer Fangruppen geschlossen die Heimspiele Ihrer Mannschaft in der UEFA Championsleague, da auch dort die Kartenpreise eine Grenze überschritten haben, die einfach nicht mehr zumutbar sind.
Die Vergabe von Stadionverboten VOR dem Beweis der Schuld des Betroffenen stellen keine Präventivmaßname dar, wie von offizieller Seite behauptet, sondern sind de facto eine Strafe und widersprechen rechtsstaatlichen Grundsätzen. Durch in der Regel überzogene und unverhältnismäßige Strafen wird das Vertrauen der (meist jugendlichen) Betroffenen in den Rechtsstatt und der Gerechtigkeit allgemein erschüttert, denn sie werden in nicht unerheblichem Maß kriminalisiert. Stadionverbote dürfen nur das allerletzte Mittel der Sanktionierung sein und müssen auf erwiesener Schuld beruhen! Alles andere ist ungerecht!
Eine Eintragung in die berüchtigte Datei Gewalttäter Sport, die meist auf vagen Verdachtsmomenten und subjektiven Einschätzungen beruht, unabhängig davon ob sich der Fan tatsächlich etwas zu Schulden hat kommen lassen oder nicht, führt im Extremfall zu Ausreiseverboten, Meldeauflagen, Stadtverboten und den sogenannten Gefährderansprachen. Sie dienen einzig der Datenerhebung und zur Erstellung einer Vita des Betroffenen, der nicht einmal über seinen Eintrag informiert wird. Das heißt, dass dieser sich im Falle seiner Unschuld nicht gegen einen Eintrag wehren kann. Transparenz hinsichtlich ihrer Führung ist das Mindeste, was wir verlangen, damit niemand zu Unrecht darin geführt wird!
Sandra Schwedler fügt hinzu: „Die Datei wurde auf dem Rechtsweg über mehrere Instanzen als unzulässig eingestuft und erst durch eine nachträgliche Rechtsverordnung des Bundesrates am Tag der Urteilsverkündung vor dem Bundesverwaltungsgericht legitimiert. Dabei spricht es Bände, dass eine Debatte im Bundestag vermieden worden ist, um diese Änderung vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Bezeichnend ist, dass die Daten, die vor dem Inkrafttreten besagter Rechtsverordnung – und damit unrechtmäßig – gespeichert wurden, nicht gelöscht werden sollen.“

Natürlich sind wir uns bewusst, dass die geforderten Freiheiten auch Verantwortung mit sich bringen. Deshalb begrüßen wir es sehr, dass innerhalb der verschiedenen Fanszenen eine selbstkritische Reflexion der eigenen Handlungsweisen eingesetzt hat, um auch auf die Fehler und Versäumnisse unsererseits zu reagieren.

Die Demo „Zum Erhalt der Fankultur“ ist erst der Anfang und der Beginn einer längerfristig angelegten Kampagne, bei der jeder Fan eingeladen ist mitzuwirken. Es wurde die Internetseite http://www.erhalt-der-fankultur.de eingerichtet, auf der künftig über sämtliche Beiträge und Aktionen für diese Kampagne berichtet wird. Auf der Internetseite sind auch weiterführende Texte und Hintergrundinformationen zur Fandemo am 09. Oktober 2010 in Berlin zu finden. Neben dem eigentlichen Demonstrationszug sind aktuell eine ganze Reihe interessanter Redebeiträge zu den einzelnen Themenfeldern geplant. Aktuell haben bereits mehr als 30 Fanszenen aus ganz Deutschland zugesagt und der Kreis der Unterstützer und teilnehmenden Fangruppen wird von Tag zu Tag größer, was uns auf einen positiven Verlauf der Demo hoffen lässt.

Zum Erhalt der Fankultur!

ProFans