Wie man ein künstliches Horror-Szenario heraufbeschwört, Teil 3

Wir mussten in der Vergangenheit die Erfahrung machen, dass sich unsere Spiele nicht selten dafür instrumentalisieren lassen, sie als künstliches Horror-Szenario darzustellen, die den Spieltag und die Nachberichterstattung erheblich behindern und mit falschen Tatsachen überhäufen. Was sich aber im Vorfeld der gestrigen Partie gegen den SV Sandhausen abgespielt hat, überraschte selbst uns und lässt zahlreiche offene Fragen zurück. Das Horror-Szenario wurde diesmal innerhalb kürzester Zeit konstruiert. Wir müssen die Uhr hierfür gerade einmal knapp zwei Wochen zurückdrehen.

Erster Vorbote des Horror-Szenarios war hierbei die Deklarierung der gestrigen Partie zum Hochrisikospiel. Das Ganze war für uns sehr irritierend, da zu den wenigen Fans des SV Sandhausen überhaupt keine besondere Beziehung besteht. Im Gegenteil: Sandhausen und Umgebung ist Miteinzugsgebiet zahlreicher KSC-Fans und es ist allgemein bekannt, dass diese in der Region deutlich in der Überzahl sind. Darüber hinaus gab es mit der aktiven Karlsruher Fanszene in Sandhausen nie Probleme, Ausschreitungen oder Ähnliches. Selbst Pyrotechnik, was gerne fälschlicherweise synonymisch als „Randale“ bezeichnet wird, wurde noch nie in Sandhausen gezündet. Die Situation wurde von den Verantwortlichen dementsprechend völlig falsch im Vorfeld eingeschätzt. Wo genau der Mehrwert unserer sogenannten szenekundigen Beamten bleibt, ist hierbei fraglich.

Die Deklarierung als Hochrisikospiel zog naturgemäß einige Verbote seitens des Vereins SV Sandhausen mit sich: So wären für uns eine Choreo, Schwenkfahnen, Doppelhalter, Zaunfahnen, Trommeln und Megafone verboten gewesen. Als einziger Grund wurde hierfür angegeben, dass in einem vergangenen Spiel von Gästefans angeblich ein Bierbecher auf das Spielfeld geworfen wurde. Wie aber etwa ein Verbot von Zaunfahnen oder Trommeln das Werfen von Bierbechern einschränken soll, ist uns rätselhaft. Dass die Verbote völlig überzogen waren, scheint zumindest dem DFB aufgefallen zu sein. Auf dessen Druck hin wurden für das Spiel schlussendlich zumindest Trommeln und Megafone erlaubt.

Mit ungutem Gefühl fuhren wir folglich gestern nach Sandhausen und trafen uns wie jedes Jahr an einer nahegelegenen Gaststätte, um der katastrophalen Parksituation am Stadion aus dem Weg zu gehen und legten den restlichen Weg zu Fuß zurück. Dabei wurden wir auch in den vergangenen Jahren von der Polizei begleitet. Was sich aber gestern kurz nach Abmarsch ereignete, ist erneut völlig irritierend. An einem nahegelegenen Friedhof wartete eine komplette BFE-Einheit in voller Montur sowie mit Vermummung auf uns und kesselte uns ein. Ohne Angabe von Gründen mussten wir mehrere Minuten warten und wurden dann zunächst sehr straff und abgeschirmt ans Stadion begleitet. Das Auftreten der Beamten war äußerst aggressiv und vor allem nervös. Die 2 Liter Pfefferspray-Dose hatten die meisten bereits im Anschlag. Es scheint fast so, als ob den Beamten eingeschärft wurde, hier übertrieben hart aufzutreten um ein mögliches Fehlverhalten unsererseits zu provozieren. Zu diesem kam es logischerweise nicht und nach der Hälfte der Strecke waren die Polizeiketten um uns auch nicht mehr allzu eng, da die Beamten realisierten, dass von uns überhaupt keine Gefahr ausging.

Gegen 13:10 Uhr erreichten wir schließlich das Stadion. Das Bild, dass sich uns hier bot, ließ uns nicht zuversichtlich werden, dass wir das Spiel überhaupt noch sehen sollten. Denn die Polizei hatte mehrere „Zelte“ aufgebaut. Was in der Berichterstattung auf sport1 lapidar als „intensivere Kontrollen“ abgetan wurde, trifft den Hintergrund dieser Zelte nicht ansatzweise: Denn hier drin werden sogenannte Nacktkontrollen von den Beamten durchgeführt um sicherzugehen, dass Fans keine verbotenen Gegenstände ins Stadion schmuggeln. Dabei muss man sich vor mehreren Beamten komplett nackt ausziehen, gewisse Dehnübungen machen und sich gegebenenfalls noch in den Allerwertesten schauen lassen. Dieses Prozedere kommt für gewöhnlich vor der Einweisung in ein Gefängnis, bei Terrorverdächtigen oder Drogenschmugglern zum Einsatz. Dass normale Fußballfans sich dessen vor Eintritt in ein Stadion unterziehen müssen, ist völlig grotesk und für uns in keinster Weise tragbar.

In der BRD gilt eigentlich die Unschuldsvermutung, aber diese wird mit solch einer Untersuchung scheinbar außer Kraft gesetzt. Es ist umso erschreckender, dass sich andere KSC-Fans dieser Nacktkontrolle hingaben, denn diese wurden offensichtlich nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Fans durchgeführt. Wir ließen uns – wie bei jedem anderen Spiel auch – von den Ordnern des gastgebenden Vereins zunächst einer Kontrolle unterziehen, die das Abtasten sowie das Durchsuchen der Taschen und der mitgeführten Gegenstände umfasst. Hier war mit den Ordnern bereits geklärt, dass sie uns naturgemäß außerhalb der Zelte vor Einlass ins Stadion kontrollieren können, wir aber die scheinbar bevorstehenden Nacktkontrollen entschieden ablehnen würden. Die scheinbar geklärte Lage wurde jedoch plötzlich brisant, als die vermummten Polizisten sich uns nach der regulären Kontrolle in den Weg stellten und forderten, dass wir uns nun alle den Nacktkontrollen unterziehen müssen. Wir entschieden uns daher geschlossen, an dieser menschenunwürdigen Untersuchung nicht teilzunehmen und traten den Heimweg an. Von den bereits erwähnten Punkten abgesehen, wäre so ein Vorgehen mit allen ca. noch 500 wartenden KSC-Fans vor dem Stadion auch zeitlich unmöglich gewesen.

Die Krönung des Tages war schließlich der Weg zurück an unsere Autos. Diesmal war es die Polizei, die offensichtlich irritiert war, dass wir keine Auseinandersetzungen suchten, und auf dem Marsch zurück völlig nervös und im System eines herumschwirrenden Hühnerhaufens versuchte, sämtliche Straßen abzuriegeln.

Einen verheerenden Abschluss fand diese ganze Farce schließlich in der Berichterstattung auf sport1: Die Nacktkontrollen wurden als „intensivere Kontrollen“ abgetan und Reporter und Polizeieinsatzleiter suggerierten mit ihren Aussagen, dass aufgrund der Tatsache, dass wir diese Nacktkontrollen nicht über uns ergehen lassen wollten, wir auch etwas zu verbergen hätten. Diese Logik ist fatal: Sie setzt die Unschuldsvermutung außer Kraft und beinhaltet de facto, dass nur ein Fan, der sich vor der Polizei vor einem Spiel nackt auszieht auch ein friedlicher Fan ist und überhaupt das Spiel sehen darf, was irgendwo fast an Nötigung grenzt. Die Berichterstattung ist somit sehr erschreckend, da nicht einmal in Erwägung gezogen wird, dass wir uns diesen Maßnahmen schlicht nicht hingeben wollten, da sie vollkommen menschenunwürdig sind – und das sind sie, da gibt es keine Argumente dagegen!

Was von dem gestrigen Tag zurück bleibt ist vor allem Irritation und viele offene Fragen:

Mit welcher Begründung wurden sämtliche Materialien verboten?
Warum muss erst der DFB intervenieren, damit wenigstens Megafone und Trommeln erlaubt sind?
Warum werden selbst kleinen Kindern die Fähnchen abgenommen?
Welchen Sinn hat ein Zaunfahnenverbot?
Warum werden Nacktkontrollen ausgerechnet bei einem Spiel durchgeführt, bei dem es noch nie zu Zwischenfällen mit der aktiven Fanszene kam?
Aufgrund welcher Bedrohungslage und aufgrund welcher Informationen erfolgten diese Maßnahmen?
Welchen Mehrwert hat in diesem Zusammenhang überhaupt die Arbeit unserer SKBs?

Würde in irgendeiner Form diese ganze Vorgehensweise mit uns kommuniziert und erläutert werden, könnten wir sie vielleicht in Ansätzen nachvollziehen. Doch das blieb uns bis jetzt verwehrt. Die Ereignisse in Stuttgart können hierfür unmöglich als Erklärung herangezogen werden, denn die beiden Spiele bzw. die Beziehung der beiden Fanszenen stehen in keiner Relation zueinander. Wäre dem allerdings tatsächlich so, ist die Konsequenz daraus katastrophal, denn somit könnte diese Begründung zukünftig für ähnliche Maßnahmen bei jedem Spiel benutzt werden.

Dagegen mussten wir gestern ein Zeichen setzen und entschlossen uns schweren Herzens, das Spiel unseres KSC nicht zu besuchen. Nacktkontrollen werden wir niemals über uns ergehen lassen!

ULTRA1894 / ProFans KSC

Seit vielen Jahren stehen polizeiliche Datensammlungen über Fußballfans
in der Kritik. Gerade in Berlin haben diese Datensätze einen nicht mehr
nachvollziehbaren Umfang angenommen. Diese Praxis soll nun überprüft werden.

Dazu erklären die Fanhilfe Hertha B.S.C. und die AG ProFans Hertha
B.S.C.: „Wir sehen das Vorhaben im Koalitionsvertrag, die ‚Datei
Sportgewalt Berlin‘ zu überprüfen und nach dem Vorbild Hamburgs zu
überarbeiten, positiv. Für uns steht nach all den Erfahrungen der
letzten Jahre jedoch außer Frage, dass diese Datei weder zeitgemäß, noch
rechtmäßig ist, daher hätten wir uns eine deutlichere Positionierung
gewünscht. Zu dieser abschließenden Einsicht ist es zwar im
Koalitionsvertrag leider nicht gekommen, jedoch ist der jetzt angedachte
Weg besser als nichts. In Hamburg wurde die dortige Datei nach der
Überprüfung gelöscht, dies sollte in absehbarer Zeit nun auch im Land
Berlin erfolgen. Dass augenscheinlich eine politische Lösung in der
Frage der ‚Datei Sportgewalt Berlin‘ gefunden wurde, erspart der
Innenverwaltung vorerst eine Klagewelle. Sollte sich jedoch keine
allumfassende Änderung der Speicherpraxis des Berliner LKA ergeben,
werden wir eine juristische Entscheidung dagegen anstreben.

Ganz besonders ist die angekündigte Bundesratsinitiative zur Abschaffung
der Bund-Länder-Datei ‚Gewalttäter Sport‘ zu befürworten. Diese Datei
ist noch undurchsichtiger und willkürlicher angelegt als die Landesdatei
in Berlin und gehört daher restlos gelöscht. Ein weiteres, wichtiges und
richtiges Vorhaben ist die Festschreibung der Deeskalationsstrategie bei
polizeilichem Handeln.

Das klare Bekenntnis, dass beim Einsatz von Pfefferspray keine
unbeteiligten Dritten in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen, ist für
uns jedoch nur Wasser auf den heißen Stein. Ein freigesetztes Gift, was
Pfefferspray nun mal ist, verletzt zwangsläufig immer Unbeteiligte,
daher gehört der Einsatz von Pfefferspray aus unserer Sicht
grundsätzlich verboten. Eine Klage dazu ist aktuell anhängig, das Land
Berlin sollte hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wir begrüßen ausdrücklich das Vorhaben, einen Beauftragten für die
Landespolizei einzusetzen, denn bisher war eine feste Anlaufstelle bei
der Meldung von polizeilichem Fehlverhalten nicht vorhanden. Die bessere
Ausstattung des Datenschutzbeauftragens ist ebenso ein Fortschritt, wie
auch die Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung.

Nach den letzten Jahren des politischen Stillstands, bzw. Rückschritts
in den Bereichen Polizeiarbeit, Bürgerrechten und Datenschutz haben wir
nun die Hoffnung, dass die vereinbarten Vorhaben zügig umgesetzt werden.
Sollte dies nicht erfolgen, werden wir alle politischen Verantwortlichen
nachdrücklich an ihre eigenen Worte erinnern.“

ProFans Hertha B.S.C. im November 2016

Stadionverbote gehören mittlerweile zum Alltag von aktiven Fans und Ultragruppen dazu. Argumente, die gegen die Praxis der Stadionverbote sprechen, wurden von uns schon oftmals diskutiert und sollen an dieser Stelle nicht wieder hervorgeholt werden.
In den letzten Jahren findet verstärkt das Instrument des Aufenthaltsverbotes (im Szenejargon auch Stadtverbot genannt) Anwendung.
Zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema wollen wir auf folgenden Artikel der AG Fananwälte verweisen, welcher sich kritisch mit dem Instrument Aufenthaltsverbot befasst:

http://www.fananwaelte.de/?page_id=84

Das Stadionverbot nimmt dem aktiven Fan oder Ultra die Möglichkeit ins Stadion zugehen und beraubt ihm somit etwas, was einen hohen Stellenwert in seinem Leben besitzt. Da allerdings die Ultragruppe, der Fanclub oder der Freundeskreis, der zum Fußball geht, wichtige soziale Umfelder darstellen, ist es nicht verwunderlich, dass viele Ultras/aktive Fans trotz Stadionverbot zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft anreisen beziehungsweise die Heimspiele im näheren Stadionumfeld verbringen.
Auf diesen Umstand reagiert die Polizei vielerorts – wie auch hier in Duisburg – mit Aufenthaltsverboten. Das heißt, dass der Stadionverbotler zum Stadtverbotler wird. Während Heimspielen darf er sich in einem festgelegten Bereich ums Stadion nicht aufhalten, bei Auswärtsspielen nicht in der Stadt der Heimmannschaft. In einigen Fällen werden sogar Personen ohne Stadionverbot mit Stadtverboten belegt. Dafür reicht, wie der Artikel der Fananwälte belegt, bereits eine „Gefahrenprognose“ der Polizei. Zu der Qualität dieser Einschätzung sind folgende Zeilen aus dem Artikel interessant:

„Die Gefahrenprognose wird stattdessen auf vermeintliche Erkenntnisse aus polizeilichen Datenbanken gestützt, in denen präventiv polizeiliche Maßnahmen wie beispielsweise Personalienfeststellungen gespeichert werden. Diese Maßnahmen ihrerseits beruhen oftmals auf „Erkenntnissen“ der Polizeibeamten, die die Qualität ordnungsbehördlicher Befindlichkeiten kaum übersteigen.“

In der Praxis heißt das, die „Szenekundigen Beamten“ beantragen bei den jeweiligen Stadtverwaltungen oder Polizeipräsidien, gestützt von Erkenntnissen aus der Datei Gewalttäter Sport (datenschutzrechtlich äußerst kritisch (http://www.profans.de/gewalttater-sport)) oder der sogenannten SKB-Datei, ein Aufenthaltsverbot für Personen, die ihrer Einschätzung nach eine Gefahr darstellen. Diese geben der Bitte der Polizei meist ungeprüft nach. Persönliche Machtspielchen oder schlichte Fehleinschätzungen der SKB’s können so äußerst negative Auswirkungen für betroffene Ultras und Fans mit sich bringen.
Den Umstand im Hinterkopf, dass die Schreiben mit der Maßnahme erst kurz vor Geltung an den Betroffenen versendet werden und dementsprechend nur eine geringe Möglichkeit des rechtlichen Widerspruchs besteht, verstärkt die empfundene Unrechtmäßigkeit zusätzlich.

Vollkommen absurd wird das Ganze, wenn man neuere Entwicklungen betrachtet. In der näheren Vergangenheit wurde von Aufenthaltsverbot betroffenen Mitgliedern der Duisburger Ultraszene in mehreren Fällen eine Rechnung der Stadt-/Gemeindeverwaltung zugeschickt, in welcher diese Verwaltungsgebühren für den Vollzug der Maßnahme verlangen. Bis jetzt von Verwaltungen aus den Ländern Bayern und Baden-Württemberg.
Ihre Rechtliche Grundlage finden die Gebühren in den Satzungen der Städte. Weshalb diese unterschiedlich hoch und unabhängig von der Einkommenssituation des Betroffenen ausfallen. Zum Beispiel fordert die Stadt Sandhausen 55 Euro, die Stadt Freiburg 105 Euro und die Stadt Nürnberg 155 Euro. Dies stellt eine zusätzliche finanzielle Belastung für junge Fußballfans dar, deren Verhängung weder von der Entscheidung eines Gerichts abhängt, noch in direkter Folge auf eine „Straftat“ erfolgt, sondern rein durch eine präventive polizeiliche Maßnahme entsteht. Einspruch lässt sich nur gegen das Aufenthaltsverbot, nicht aber gegen die Gebühr an sich einlegen.
Anzumerken ist: Es handelt sich hier nicht um eine banale Ordnungsgebühr für falsches Parken oder nicht ordnungsgemäß entsorgten Müll, von der man weiß und deren Höhe der Betroffene selbst einschätzen kann. Viel mehr wirkt dies wie eine Folgebestrafung für die Tatsache, dass man – aus welchem Grund auch immer – zu sehr in den Fokus der „Szenekundigen Beamten“ geraten ist.
Da viele junge Ultras nicht über die finanziellen Mittel verfügen, sich gefühlt alle zwei Wochen mit anwaltlicher Hilfe gegen ein Aufenthaltsverbot zu Wehr zu setzen, ist deren finanzielle Situation der Willkür der „Szenekundigen Beamten“ und den Gebührenverordnungen der Städte schutzlos ausgeliefert. Betrachtet man den ohnehin schon nicht sehr maßvollen Umgang mit dem Instrument des Aufenthaltsverbotes, erscheint eine Veränderung dieser Praxis als dringend angebracht.

ProFans Duisburg im November 2016

Die bei ProFans angeschlossene AG „ProFans Hertha B.S.C.“ kritisiert Material und Innenstadtverbote für Gästefans beim kommenden Bundesligaspiel SV Darmstadt 98 – Hertha B.S.C. (12.12.15). ProFans dokumentiert die Stellungnahme von ProFans Hertha B.S.C.:

Endlich mal wieder nach Darmstadt. Und dann das!
Es ist zu einer traurigen Angewohnheit geworden, vor jedem Auswärtsspiel auf die Homepage von Hertha B.S.C. zu gucken, um herauszufinden, welche Fanutensilien im Gästeblock erlaubt sind. Unsere Haltung ist klar: Fanutensilien sollten immer und überall freigegeben werden! Sie sind Bestandteil unserer Fankultur und kein Sicherheitsrisiko. Fanutensilien bringen Farbe in die Fanblöcke und machen das Spektakel auf den Rängen zu einem besonderen Erlebnis.

Obwohl selbst die Verbände eine grundsätzliche Freigabe von Fanutensilien empfehlen (http://www.dfb.de/fanbelange/fanbelange/download/), verbieten Vereine immer wieder diverse Materialien. Beim Blick auf die Angaben zum Spiel in Darmstadt trauten wir unseren Augen nicht! Bis auf zwei Megafone, zwei Trommeln und Zaunfahnen wurden alle optischen Unterstützungsmittel verboten. Weder kleine Fahnen, noch Doppelhalter oder Schwenkfahnen werden erlaubt.

Abgesehen davon, dass diese unbegründeten Repressionen gegen Gästefans eine bodenlose Frechheit und ein Angriff auf unsere Fankultur sind, ist das Verbot auch aus Sicherheitsgründen völlig unsinnig. Es ist davon auszugehen, dass Fans von Hertha B.S.C. wie gewöhnlich ihre Fahnen und Doppelhalter zum Auswärtsspiel mitbringen werden. Wenn das Verbot aufrechterhalten wird, ist mit intensiven Diskussionen im Einlassbereich zu rechnen, die erfahrungsgemäß auch ein gewisses Eskalationspotential haben können.

Des Weiteren wurde der Fanszene über die Fanbetreuung bekannt gegeben, dass es den Fans von Hertha BSC nicht gestattet sein wird, die Innenstadt von Darmstadt zu betreten. Eine Fanverteilung sei aufgrund der Größe der Stadt nicht zu gewährleisten. Nicht nur, dass bereits andere Fans sich in der Stadt frei bewegen durften, auch gibt es keine Präzedenzfälle von einem Aufeinandertreffen der beiden Fanszenen, die als Begründung für die Beschneidung der grundrechtlich geschützten Fortbewegungsfreiheit heran gezogen werden könnten.

ProFans Hertha B.S.C. fordert daher den SV Darmstadt 98 und die zuständigen Sicherheitsbehörden dringlich auf, die Material- und Innenstadtverbote aufzuheben!

ProFans Hertha B.S.C. im Dezember 2015

Auch wenn die neue Saison bereits gestartet ist, möchten trotzdem wir nochmal kritisch auf die diese unsäglichen Wochen Ende Mai – Anfang Juni zurückblicken.

Obwohl die Saison 2014/15 bereits abgeschlossen ist, sind die Ernüchterung und die Frustration zum Saisonende noch nicht vergessen. Wohl kaum ein Fußballfan wird die Relegation emotionslos verfolgt haben.

Karlsruhe, Kiel, Saarbrücken und Offenbach sind nur Beispiele trauriger jüngster Ergebnisse dieser Relegation. So fühlen sich all diejenigen, welche zuvor sportlich erfolgreich waren, am Ende als die großen Verlierer der Saison. Die Gründe dafür sind oft verschieden, die Dramen jedoch erschreckend identisch. Während in den unteren Ligen selbst der Meister der Klasse nicht automatisch aufsteigt, retten sich im Oberhaus, die strukturell meist bedeutend besser aufgestellten Erstligisten, so meist vor ihrem verdienten Abstieg.

Ein weiterer plausibler Grund dafür könnte die mentale Situation sein in der sich Spieler, Vereine, Fans und Umfeld in diesem Moment der „letzten Chance“ wiederfinden. Was sich gegen Ende der Saison hin nicht selten als Nachteil darstellte, entwickelt sich im Moment von „Alles oder nichts“ schnell zum Vorteil. So hat in der Regel der Verein mehr zu verlieren, der Gefahr läuft abzusteigen, als die klassentieferen Vereine bei einem Aufstieg gewinnen könnten. Dies spielt sich auch in den Köpfen der Spieler ab und lässt üblicherweise für eben DIE letzte Chance eine viel größere Leistungsfähigkeit abrufen als üblich, was einen weiteren Wettbewerbsvorteil darstellt.

Am Ende der Saison werden Mannschaften so also um den verdienten Aufstieg gebracht. Während andere Mannschaften, die konstant spielerisch schlechte Leistungen abgeliefert haben, die dem Niveau der Liga nicht gerecht waren, die Klasse unverdient halten. Im Amateurfußball genauso wie in Liga eins, zwei und drei!

Finanzielle Interessen stehen hier offensichtlich im Vordergrund. Die zusätzlichen Spiele bieten der DFL eine Möglichkeit, weitere Einnahmequellen mit TV-Rechten zu erschließen. Durch die künstlich erzeugte Spannung in den Relegationsspielen, wo es für Fans und Vereine um „Alles oder Nichts“ geht, sind hohe Einschaltquoten garantiert. Der Fan, der seine Mannschaft im Stadion unterstützen möchte, wird mit einem „Topspiel-Zuschlag“ auf die Eintrittspreise und weiten Auswärtsfahrten nochmals zur Kasse gebeten.
Eine weitere Ungerechtigkeit stellt die sogenannte Auswärtstorregel dar. Gerade aus Bremer Sicht erinnert man sich ungern an die Relegation der Saison 2013/14. Es gelang dem HSV ohne eines der beiden Spiele gewonnen und in keinster Weise überzeugt zu haben, die Klasse durch ein einziges Auswärtstor zu halten.

Gerade nach der aktuellen Relegation sind sich wohl weitaus mehr Fans einig, dass diese wieder abgeschafft werden muss. Die Mühen einer ganzen Saison sollen sich, insbesondere für einen Meister, wieder auszahlen.

So sagen wir es laut und deutlich: Relegation abschaffen!

ProFans Bremen