Es ist kein halbes Jahr her, da hatte der DFB, der in Bezug auf Ausnahmen von der 50+1-Regel neben der DFL ebenfalls zustimmen muss, in Person von DFB-Präsident Reinhard Grindel noch großspurig gesagt: „Wir haben verstanden, dass es um mehr geht. Der Fußball in Deutschland steht auch für Stehplätze, faire Eintrittspreise und die 50+1-Regel.“

Aber wie es aussieht, hat man – wie so oft – bei DFB und DFL mal wieder rein gar nichts verstanden. Wiederholt sind die beschwichtigenden Worte aus den Entscheidungszentralen nur leere Phrasen und nichts anders als Stammtischparolen.

Nachdem Martin Kind seinen Antrag auf Ausnahme von der 50+1-Regel bei der DFL ruhend gestellt hat, verkündeten er und die DFL überraschend einträchtig, dass man stattdessen die 50+1-Regel als Ganzes auf den Prüfstand stellen wolle. Von einer Modifizierung ist die Rede, zu der nun alle 36 DFL-Mitgliederclubs eine Meinung haben sollen. Und das, obwohl die Ausnahmekriterien zur 50+1-Regel erst in 2014 von allen 36 DFL-Mitgliederclubs einstimmig beschlossen und geregelt wurden – sogar mit der Stimme Kinds. Das Problem von Martin Kind, dass er selbst aufgrund ungenügender Förderung keine Ausnahmegenehmigung für sich bekommen hat, ist nun zum Problem aller geworden.

Ohnehin ist es um die Verantwortlichen um Christian Seifert (DFL), Reinhard Grindel oder auch Rainer Koch (DFB), der sich letzten Sommer in Bezug auf die Thematik Ismaik/1860 München noch als vermeintlicher Verteidiger von 50+1 hervorgetan hat, in dieser Frage sehr ruhig geworden in den ersten Wochen seit der Nicht-Entscheidung zu Kinds Antrag. Offensichtlich möchten sich die Verantwortlichen bei DFB und DFL nicht die Finger verbrennen, indem sie zu früh mit ihren eigenen Positionen aus der Deckung kommen. Stattdessen lässt man Funktionäre wie Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) für sich sprechen oder Kapital-Lobbyisten wie Alfred Draxler (Bild), Rainer Franzke (Kicker) und Wolfgang Holzhäuser (ehemals Bayer Leverkusen) von der Leine, die schön orchestriert erst einmal ihre Meinungen verbreiten, um dann zu sehen, wie der Wind steht.

Einer Sache sollten sich aber alle in Sachen Windrichtung sicher sein: Bundesweit wird ein Sturm heraufziehen, sollten die Verantwortlichen bei DFB und DFL nicht schleunigst ein Machtwort für den Erhalt von 50+1 in seiner jetzigen Form sprechen:
Die angestrebte Diskussion um 50+1 ist eben nicht nur eine Schönheitsdiskussion um irgendwelche Vereins-und Unternehmensstrukturen, sondern definitiv der sportpolitisch wichtigste Kampf in der nahen Zukunft für alle Fans.

Die 50+1-Regel sei nicht mehr zeitgemäß und ähnliche argumentationslose Phrasen sollen einen Erneuerungsbedarf fingieren. Dabei wird vergessen, dass die 50+1-Regel gerade erst einmal 18 Jahre alt und damit die modernste Regelung ihrer Art in Europa ist und erst kürzlich eine jahrelange Debatte endete, zuletzt mit dem offensichtlich vorgegaukelten Bekenntnis Reinhard Grindels im August 2017.

Die neuerdings populäre Aussage, jeder Verein möge doch selbst entscheiden, wann und ob er das Mehrheitsstimmrecht an Investoren abgeben will, bedeutet letztlich nichts anderes als die de facto Abschaffung von 50+1 durch die Hintertür, selbst wenn sie offiziell auf dem Papier noch bestünde, aber eben totmodifiziert.

Der Möglichkeit der Auslagerung von Profiabteilungen aus den Vereinen, welche angeblich dem Schutz der Muttervereine dienen sollte, stimmten die Mitglieder der auslagernden Vereine nur aufgrund des mit der gleichzeitigen Einführung der 50+1 Regel geschaffenen Vertrauens in die dauerhafte Bestandskraft dieser Regel zu. Mit der nun angedachten Grundsatzdiskussion zur 50+1-Regel ist jedoch nicht weniger als der letzte Schritt in die Totalkommerzialisierung des Vereinssports Fußball beabsichtigt.

Sollte es so kommen, wird sich kein Verein oder Club – trotz geschaffener Satzungsregelungen zum Schutz der 50+1-Regel – den Marktzwängen dauerhaft entziehen können.

Die weltweit attraktivste Liga soll nun zum Ausverkauf bereitstehen. Wolfgang Holzhäuser forderte kürzlich ganz unverblümt lediglich eine dreijährige Kapitalbindung für Investoren und bezeichnete diese allen Ernstes als langfristig. Das nur vermeintlich plumpe Schreckensgespenst der ungezügelten Investoreneinstiege und eines Investoren-Hoppings durch Heuschrecken wäre dann Realität.

Im Gegenzug sollen Fans mit vermeintlichen Zugeständnissen geblendet werden. Verbote von Namensänderungen oder geänderten Vereinsfarben sowie kompletten Standortverlagerungen sollen als Lockmittel dienen, um den Widerstand auf Seiten der Fans gering zu halten und das Thema salonfähig zu machen. Würde man ernsthaft einen Dialog mit den Fans führen wollen, würde man diese Selbstverständlichkeiten nicht mit der 50+1-Regel verknüpfen, sondern sie unabhängig davon einfach festschreiben und umsetzen.

Dass unter den angestrebten Verhältnissen trotzdem Eintrittspreise steigen oder Trikotfarben den Hauptsponsoren angepasst würden ist so klar wie die damit verbundenen Veränderungen für die Fanszenen, die oft auch von DFL und DFB beschworene Fankultur und das soziale Mengengefüge im Stadion.

Um es deutlich zu sagen:
Das plötzliche Anzetteln einer neuerlichen Grundsatzdiskussion zur 50+1 Regel ist nichts anderes als die persönliche sportpolitische Bankrotterklärung von Christian Seifert.
Spielt man dieses Spiel um eine Modifikation von 50+1 bei DFB und DFL mit, öffnen die Verantwortlichen damit unweigerlich ihre eigene Büchse der Pandora. In Hannover hat man gesehen, zu was für Zerwürfnissen und Beschädigungen die Debatte um 50+1 geführt hat. Im Kleinen können DFB und DFL solche Widerstände im Einzelfall vielleicht nach dem Motto „Augen zu und durch“ handhaben. Ob man allerdings zum Wohle des bundesweiten „Premiumprodukts“ Profifußball dazu bereit ist, sich mit den Fans in ganz Deutschland anzulegen, sollte dagegen gut überlegt werden.

Eine Aufweichung bzw. de facto Abschaffung der 50+1-Regel unter dem Deckmantel einer Modifizierung ist eine klare Kriegserklärung an alle Fans bundesweit. Christian Seifert und Reinhard Grindel sollten die Büchse der Pandora schnellstens wieder schließen und den Fans in Deutschland gegenüber verbindlich und vor allem endlich glaubhaft erklären, dass 50+1 nicht angetastet wird.

Herr Seifert, Herr Grindel, ob Sie verstehen oder nicht:
Keine 50+1-Grundsatzdiskussion!

ProFans, im Februar 2018

ProFans in eigener Sache

16. Februar 2018
Kategorie: Allgemein, Pressemitteilung

Mit Befremden hat ProFans die am 14.02.18 vom 1. FC Köln veröffentlichte Stellungnahme “Zusammen fair bleiben!” zur Kenntnis genommen.

Ohne auf die in Teilen haarsträubende Bewertung der “Kölner Verhältnisse”, die die ProFans angeschlossenen Kölner Gruppen – wie auch in der Vergangenheit bereits geschehen – anders darstellen, eingehen zu wollen, verurteilen wir den schäbigen Versuch durch die namentliche Nennung von zwei ehrenamtlichen Fanvertretern diese öffentlich in Misskredit bringen zu wollen auf das Schärfste. Dabei sind die beiden Genannten viel mehr als “Meinungsmacher der (Kölner) Ultra-Szene”. Sie sind seit vielen Jahren ehrenamtlich arbeitende, kritische Fans, die sich durch ihr Engagement für die Belange von Fußballfans deutschlandweit weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus Respekt verschafft haben.

Mit ihrem Idealismus und ihrer Integrität verkörpern sie wohl genau die Eigenschaften, die dem Präsidium, der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat, dem Beirat, sowie Bruchteilen des Mitgliederrates des 1.FC Köln abhandengekommen zu sein scheinen.

ProFans, im Februar 2018

Zwei Fußballfans hatten im Jahr 2007 nach einem Einsatz der Münchner
Polizei Anzeige gegen unbekannte Einsatzkräfte erstattet, die sie mit
Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen hatten. Obwohl festgestellt
wurde, dass die Vorwürfe zutrafen, wurde das Ermittlungsverfahren
schließlich eingestellt, weil die betreffenden Personen nicht identifiziert
werden konnten. Die beiden Fußballfans wandten sich daraufhin an den EGMR,
weil die Münchner Polizei nur unzureichend gegen ihre eigenen Kolleginnen
und Kollegen ermittelt hatte. Das Verfahren wurde unter anderem vom
Fanrechtefonds finanziell unterstützt.

Nunmehr stellte der Gerichtshof fest, dass die Rechte der Klagenden
verletzt wurden. Die Gründe gehen jedoch weit über den Einzelfall hinaus.
Konkret bemängelt die Jury, dass die maskierten Täterinnen oder Täter unter
den Polizeieinsatzkräften nicht identifizierbar waren, weil eine
individuelle Kennzeichnung fehlte. Dies führe faktisch zu einer
Straflosigkeit bei Rechtsverletzungen durch die Polizei. Bei den
Ermittlungen war versäumt worden, die eingesetzten Kräfte zu vernehmen;
Videomaterial war abhanden gekommen – für den Gerichtshof Beleg für die
fehlende Unabhängigkeit der Ermittlungen, denn für das Material war
diejenige Einheit verantwortlich, gegen die sich die Vorwürfe richteten.

„Auch heute, zehn Jahre nach jenem Einsatz, bestehen genau diese Mängel
bei der deutschen Polizei weitgehend weiter“, kritisiert ProFans-Sprecherin
Gloria Holborn und schlussfolgert: „Der Staat ist nun gefordert, die
Unabhängigkeit und Effizienz bei Ermittlungen gegen Polizeibedienstete
sicherzustellen sowie die Identifizierbarkeit zu gewährleisten.“
Pressesprecher Sig Zelt ergänzt: „Bürgerrechts- wie auch Fanorganisationen
fordern dies schon seit Langem. Es ist zu hoffen, dass die Bundesrepublik
Deutschland und die Länder nun endlich die überfälligen Konsequenzen
ziehen, um die Menschenrechte hierzulande zu wahren. Polizeieinsätze dürfen
keine rechtsfreien Räume sein!“

Den beiden betroffenen Fans wurde neben der Erstattung ihrer Auslagen ein
Schmerzensgeld zugesprochen.

ProFans, im November 2017

Einige Dutzend deutscher Zuschauer haben vor einer Woche während des Spiels der Fußball-Nationalmannschaft in Prag für einen Eklat gesorgt. Wie berichtet wurde, waren nazistische und rassistische Parolen zu hören, die Nationalhymnen und eine Schweigeminute wurden gestört.

Das hat nicht das Mindeste mit der Fankultur gemein, die wir und ProFans vertreten. Wir distanzieren uns nachdrücklich von den Unflätigkeiten und allen menschenverachtenden Äußerungen. Sport ist ein Medium, das alle Menschen verbindet. Lebensfreude und Integration sind Leitmotive des Sports, nicht rassistischer Hass.

Gut, dass sich Woche für Woche ein anderes Bild in den deutschen Fußballstadien zeigt. Gewachsene Fankulturen haben dafür gesorgt, dass die vor Jahren noch alltägliche Diskriminierung beim Fußball deutlich geschwunden ist. Gerade auch die Ultrà-Gruppen haben daran ihren Anteil.

Für die Nationalmannschaft hingegen glaubt der DFB die Fankultur per Administration von oben bestimmen zu können. Wo in den Fanszenen der Vereine glühende Fußballanhängerinnen und -anhänger Verantwortung und Engagement zeigen, schreibt man sich für die Nationalmannschaft gezwungenermaßen, um Eintrifttskarten zu bekommen, in ein gemeinsam mit einem Getränkekonzern geschaffenes Programm des Verbandes ein, genannt: “Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola”. Die Degradierung zum Kunden erstickt jedes Verantwortungsgefühl. Der eigene Beitrag besteht nurmehr in der Geldzahlung, nicht etwa in aktiver Mitwirkung. So muss man auch sehen, dass das überdimensionale Transparent am Montag im Stuttgarter Neckarstadion, wenngleich es die Intention von Zuschauern getroffen haben mag, keineswegs eine Äußerung von Fans war, sondern vielmehr ein Statement des DFB.

Umso verstörender wirken die Äußerungen einiger Verbandsfunktionäre. Reinhard Grindel versteigt sich darein, den tschechischen Gastgebern eine Teilschuld zu geben, weil sie Karten frei verkauft haben. Die Ursache rechtsradikaler Ausfälle im freien Kartenverkauf zu suchen, ist eine geradezu absurde Ablenkung von der eigenen Verantwortung. Der DFB täte besser daran, eine lebendige Fankultur zu fördern. Dann würden sich wohl auch im Umkreis der Nationalelf genügend Fans gegen derartige
Tendenzen engagieren, so dass solche Vorkommnisse schließlich nicht mehr geschehen.

Dr. Rainer Koch ist sich nicht zu schade, Ultras mit bengalischen Lichtern in geistige Nähe nazistischer Grölereien zu setzen. Das in einen Topf zu werfen, ist entweder demagogisch, oder Herr Dr. Koch hat von den Verhältnissen in den Fanszenen schlichtweg keine Ahnung. Man muss sich dabei fragen, wie weit es wirklich mit dem von Herrn Grindel reklamierten Umdenken ist, wenn doch gleich wieder nach Instrumenten der Kontrolle und Repression gerufen wird, anstatt sich darüber Gedanken zu machen, wie man die Köpfe erreicht.

Schon im Vorfeld hatte Oliver Bierhoff verbandskritische Fans wie auch kritische Medien und ebenso staatliche Organe wie etwa die Hessische Staatsanwaltschaft oder Finanzbehörden zu Angreifern auf die deutsche Nationalmannschaft erklärt. “Im Grunde genommen basteln sie sich in der Otto-Fleck-Schneise nach wie vor ihre eigene Welt zurecht, aus der sie alles aussperren wollen, was da nicht hinein passt”, ist der Tenor unter den Union-Fans, die sich bei ProFans engagieren. Weiter hört man dort die Meinung: “Es wird dringend Zeit, dass die Herren zurückfinden in die Realität der Gesellschaft, sonst wird diese komplett an ihnen vorbeilaufen.”

ProFans Union Berlin, im September 2017

Auf den ersten Blick mögen das Pressezentrum des G20 Gipfels in Hamburg und die „Hänsch-Arena“ in Meppen nicht allzu viel miteinander zu tun haben. Es lohnt sich aber ein zweiter, genauerer Blick:

Der Entzug der Akkreditierung für Journalisten im Rahmen des G20 Gipfels in Hamburg war – Stand jetzt – in 4 Fällen rechtswidrig. Das musste das Bundesinnenministerium nun einräumen. In den Medien kann man nun die ohne Frage skurrilen Einträge, die den betroffenen Journalisten in verschiedenen Datenbanken zugeschrieben werden, nachlesen. Es steht außer Frage, dass die Speicherung und die daraus folgenden Konsequenzen Unrecht sind – die große Frage, die sich uns stellt, ist vielmehr: warum fällt das erst jetzt auf?

Fussballfans warnen seit knapp zwei Jahrzehnten vor den immer weiterführenden Maßnahmen der Ermittlungsbehörden und ihrer Datensammelwut. In den vergangenen Jahren flogen zuhauf nachweislich illegale Datenbanken der Behörden auf. Immer neue Datenbanken werden angekündigt. Nebenbei werden die alten Sammlungen gut gefüllt. Wer als Fussballfan – und dazu raten wir jedem! – ein Auskunftsersuchen über die Speicherung von Daten zu seiner Person bei den Behörden stellt, erfährt so manche skurrile bis absurde Überraschung. Natürlich werden hier längst eingestellte Verfahren erfasst. Selbstverständlich wird hier jede Personalienfeststellung, oder auch nur Beobachtung von sogenannten Szenekundigen Beamten (SKB) bis zum Sankt- Nimmerleins-Tag gespeichert.

Und wenn mal wieder ein Hochsicherheitsspiel ansteht, was nach Einschätzung der Behörden quasi jedes zweite Wochenende der Fall ist, dann schlägt die große Stunde der Schreibtischtäter: „Betretungsverbot“ heißt derzeit das Mittel der Wahl – quasi der Entzug der Akkreditierung als Fussballfan. Ein Stadionverbot ist dafür nicht notwendig, die sonstigen Einträge aus den Datenbanken der „Ermittler“ genügen völlig. Und weil es selbstverständlich nicht reicht „nur“ den Ort des Geschehens während des Zeitraums des Geschehens nicht betreten zu dürfen, wird der Geltungsbereich gleich über die halbe Stadt und über den Zeitraum von einer Woche ausgedehnt. So geschehen für das Spiel unseres VfL Osnabrück in Meppen.

Wenn Justizminister Heiko Maas im Zusammenhang mit den polizeilichen Eintragungen der G20 Journalisten sagt „Unnötig gespeicherte Daten schaffen nicht mehr, sondern weniger Sicherheit. Sie erschweren die Suche nach den wirklich relevanten Informationen.“ Dann fragen wir uns, ganz ehrlich, was soll man zu derartigen Eintragungen sagen?

„Unbekannte Täter haben vor einem Vorbereitungsspiel des SV Meppen in Schwagstorf massive Schmierereien an dem dortigen Vereinsheim, Banden und Verkehrszeichen inhaltlich gegen den SV Meppen und pro VfL Osnabrück angebracht. Die Ermittlungen zu diesen Sachbeschädigungen sind noch nicht abgeschlossen; Ihre Tatbeteiligung bisher nicht auszuschließen.“

(entnommen aus diversen Anhörungsschreiben im Vorfeld des Spiels gegen den SV Meppen gem § 28 VwVfG im Vorfeld der Anordnung eines Aufenthalts- und Betretungsverbotes nach § 17 Abs. 4 Nds.SOG, der Anordnung des sofortigen Vollzuges und der Androhung von Zwangsmitteln)

Hier werden offensichtlich Daten nach dem „Frank-Buschmann-Prinzip“ („Wo warst du, als dieses oder jenes passierte?!“) gesammelt und eben auch verwendet um weit in die Persönlichkeitsrechte hineinreichende Maßnahmen zu veranlassen. Der Zweifel wird hier zur Rechtfertigung polizeilicher Maßnahmen verklärt. Die Gewissheit, dass die Sammlung und Speicherung der Daten in dieser Form rechtswidrig ist, wird ignoriert und die Einsicht, dass mehr Daten nicht mehr Erkenntnis bedeuten, bleibt aus. Auch wenn für eine sogenannte präventiv-polizeiliche Gefahrenprognose o.g. Beobachtungen von SKB oder nicht nachgewiesene Taten herangezogen werden dürfen, derartige Quatscheinträge sollten nicht zu den „wirklich relevanten Informationen“ gehören, die Minister Maas anspricht.

Ebenso absurd wie die Begründung erscheint im übrigen der Zeitraum der geplanten Maßnahme: eine Woche lang dürfen die Betroffenen große Teile der Stadt Meppen nicht betreten.

„Freitag, 15.09.2017 ab 00:00 Uhr bis Donnerstag, den 21.09.17 24:00 Uhr.“ Das Spiel findet am 20.09.17 um 18:30 Uhr statt. Wenn jetzt noch der SV Meppen um eine frühzeitige Anreise bittet, ist der Witz perfekt. Auch mit sehr viel Phantasie ist nur schwer auszudenken, welche Bedrohungslage der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim hier vorschwebt.

Natürlich kann und sollte man derartige Maßnahmen der Behörden rechtlich prüfen lassen. Im Gegensatz zu den Behörden, denen kein Mittel und Aufwand zu abwegig erscheinen, sind unsere Ressourcen allerdings begrenzt. Deswegen ist die gesellschaftliche Diskussion, wie sie nun gerade in Gang gekommen zu sein scheint, mehr als überfällig.

1984 is now!

ProFans Osnabrück, im August 2017