Seit vielen Jahren stehen polizeiliche Datensammlungen über Fußballfans
in der Kritik. Gerade in Berlin haben diese Datensätze einen nicht mehr
nachvollziehbaren Umfang angenommen. Diese Praxis soll nun überprüft werden.

Dazu erklären die Fanhilfe Hertha B.S.C. und die AG ProFans Hertha
B.S.C.: „Wir sehen das Vorhaben im Koalitionsvertrag, die ‚Datei
Sportgewalt Berlin‘ zu überprüfen und nach dem Vorbild Hamburgs zu
überarbeiten, positiv. Für uns steht nach all den Erfahrungen der
letzten Jahre jedoch außer Frage, dass diese Datei weder zeitgemäß, noch
rechtmäßig ist, daher hätten wir uns eine deutlichere Positionierung
gewünscht. Zu dieser abschließenden Einsicht ist es zwar im
Koalitionsvertrag leider nicht gekommen, jedoch ist der jetzt angedachte
Weg besser als nichts. In Hamburg wurde die dortige Datei nach der
Überprüfung gelöscht, dies sollte in absehbarer Zeit nun auch im Land
Berlin erfolgen. Dass augenscheinlich eine politische Lösung in der
Frage der ‚Datei Sportgewalt Berlin‘ gefunden wurde, erspart der
Innenverwaltung vorerst eine Klagewelle. Sollte sich jedoch keine
allumfassende Änderung der Speicherpraxis des Berliner LKA ergeben,
werden wir eine juristische Entscheidung dagegen anstreben.

Ganz besonders ist die angekündigte Bundesratsinitiative zur Abschaffung
der Bund-Länder-Datei ‚Gewalttäter Sport‘ zu befürworten. Diese Datei
ist noch undurchsichtiger und willkürlicher angelegt als die Landesdatei
in Berlin und gehört daher restlos gelöscht. Ein weiteres, wichtiges und
richtiges Vorhaben ist die Festschreibung der Deeskalationsstrategie bei
polizeilichem Handeln.

Das klare Bekenntnis, dass beim Einsatz von Pfefferspray keine
unbeteiligten Dritten in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen, ist für
uns jedoch nur Wasser auf den heißen Stein. Ein freigesetztes Gift, was
Pfefferspray nun mal ist, verletzt zwangsläufig immer Unbeteiligte,
daher gehört der Einsatz von Pfefferspray aus unserer Sicht
grundsätzlich verboten. Eine Klage dazu ist aktuell anhängig, das Land
Berlin sollte hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wir begrüßen ausdrücklich das Vorhaben, einen Beauftragten für die
Landespolizei einzusetzen, denn bisher war eine feste Anlaufstelle bei
der Meldung von polizeilichem Fehlverhalten nicht vorhanden. Die bessere
Ausstattung des Datenschutzbeauftragens ist ebenso ein Fortschritt, wie
auch die Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung.

Nach den letzten Jahren des politischen Stillstands, bzw. Rückschritts
in den Bereichen Polizeiarbeit, Bürgerrechten und Datenschutz haben wir
nun die Hoffnung, dass die vereinbarten Vorhaben zügig umgesetzt werden.
Sollte dies nicht erfolgen, werden wir alle politischen Verantwortlichen
nachdrücklich an ihre eigenen Worte erinnern.“

ProFans Hertha B.S.C. im November 2016

Stadionverbote gehören mittlerweile zum Alltag von aktiven Fans und Ultragruppen dazu. Argumente, die gegen die Praxis der Stadionverbote sprechen, wurden von uns schon oftmals diskutiert und sollen an dieser Stelle nicht wieder hervorgeholt werden.
In den letzten Jahren findet verstärkt das Instrument des Aufenthaltsverbotes (im Szenejargon auch Stadtverbot genannt) Anwendung.
Zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema wollen wir auf folgenden Artikel der AG Fananwälte verweisen, welcher sich kritisch mit dem Instrument Aufenthaltsverbot befasst:

http://www.fananwaelte.de/?page_id=84

Das Stadionverbot nimmt dem aktiven Fan oder Ultra die Möglichkeit ins Stadion zugehen und beraubt ihm somit etwas, was einen hohen Stellenwert in seinem Leben besitzt. Da allerdings die Ultragruppe, der Fanclub oder der Freundeskreis, der zum Fußball geht, wichtige soziale Umfelder darstellen, ist es nicht verwunderlich, dass viele Ultras/aktive Fans trotz Stadionverbot zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft anreisen beziehungsweise die Heimspiele im näheren Stadionumfeld verbringen.
Auf diesen Umstand reagiert die Polizei vielerorts – wie auch hier in Duisburg – mit Aufenthaltsverboten. Das heißt, dass der Stadionverbotler zum Stadtverbotler wird. Während Heimspielen darf er sich in einem festgelegten Bereich ums Stadion nicht aufhalten, bei Auswärtsspielen nicht in der Stadt der Heimmannschaft. In einigen Fällen werden sogar Personen ohne Stadionverbot mit Stadtverboten belegt. Dafür reicht, wie der Artikel der Fananwälte belegt, bereits eine „Gefahrenprognose“ der Polizei. Zu der Qualität dieser Einschätzung sind folgende Zeilen aus dem Artikel interessant:

„Die Gefahrenprognose wird stattdessen auf vermeintliche Erkenntnisse aus polizeilichen Datenbanken gestützt, in denen präventiv polizeiliche Maßnahmen wie beispielsweise Personalienfeststellungen gespeichert werden. Diese Maßnahmen ihrerseits beruhen oftmals auf „Erkenntnissen“ der Polizeibeamten, die die Qualität ordnungsbehördlicher Befindlichkeiten kaum übersteigen.“

In der Praxis heißt das, die „Szenekundigen Beamten“ beantragen bei den jeweiligen Stadtverwaltungen oder Polizeipräsidien, gestützt von Erkenntnissen aus der Datei Gewalttäter Sport (datenschutzrechtlich äußerst kritisch (http://www.profans.de/gewalttater-sport)) oder der sogenannten SKB-Datei, ein Aufenthaltsverbot für Personen, die ihrer Einschätzung nach eine Gefahr darstellen. Diese geben der Bitte der Polizei meist ungeprüft nach. Persönliche Machtspielchen oder schlichte Fehleinschätzungen der SKB’s können so äußerst negative Auswirkungen für betroffene Ultras und Fans mit sich bringen.
Den Umstand im Hinterkopf, dass die Schreiben mit der Maßnahme erst kurz vor Geltung an den Betroffenen versendet werden und dementsprechend nur eine geringe Möglichkeit des rechtlichen Widerspruchs besteht, verstärkt die empfundene Unrechtmäßigkeit zusätzlich.

Vollkommen absurd wird das Ganze, wenn man neuere Entwicklungen betrachtet. In der näheren Vergangenheit wurde von Aufenthaltsverbot betroffenen Mitgliedern der Duisburger Ultraszene in mehreren Fällen eine Rechnung der Stadt-/Gemeindeverwaltung zugeschickt, in welcher diese Verwaltungsgebühren für den Vollzug der Maßnahme verlangen. Bis jetzt von Verwaltungen aus den Ländern Bayern und Baden-Württemberg.
Ihre Rechtliche Grundlage finden die Gebühren in den Satzungen der Städte. Weshalb diese unterschiedlich hoch und unabhängig von der Einkommenssituation des Betroffenen ausfallen. Zum Beispiel fordert die Stadt Sandhausen 55 Euro, die Stadt Freiburg 105 Euro und die Stadt Nürnberg 155 Euro. Dies stellt eine zusätzliche finanzielle Belastung für junge Fußballfans dar, deren Verhängung weder von der Entscheidung eines Gerichts abhängt, noch in direkter Folge auf eine „Straftat“ erfolgt, sondern rein durch eine präventive polizeiliche Maßnahme entsteht. Einspruch lässt sich nur gegen das Aufenthaltsverbot, nicht aber gegen die Gebühr an sich einlegen.
Anzumerken ist: Es handelt sich hier nicht um eine banale Ordnungsgebühr für falsches Parken oder nicht ordnungsgemäß entsorgten Müll, von der man weiß und deren Höhe der Betroffene selbst einschätzen kann. Viel mehr wirkt dies wie eine Folgebestrafung für die Tatsache, dass man – aus welchem Grund auch immer – zu sehr in den Fokus der „Szenekundigen Beamten“ geraten ist.
Da viele junge Ultras nicht über die finanziellen Mittel verfügen, sich gefühlt alle zwei Wochen mit anwaltlicher Hilfe gegen ein Aufenthaltsverbot zu Wehr zu setzen, ist deren finanzielle Situation der Willkür der „Szenekundigen Beamten“ und den Gebührenverordnungen der Städte schutzlos ausgeliefert. Betrachtet man den ohnehin schon nicht sehr maßvollen Umgang mit dem Instrument des Aufenthaltsverbotes, erscheint eine Veränderung dieser Praxis als dringend angebracht.

ProFans Duisburg im November 2016

ProFans hat erfahren, dass es in Berlin im Zuge der Wahlen zum Abgeordnetenhaus erneut Plakate der rechtsextremen NPD gibt, mit denen die nationalistische Partei versucht, sich durch das Thema „Fankultur“ bei Fußballfans zu profilieren. Auf dem Plakat steht wörtlich „Pyrotechnik nicht kriminalisieren“ und „Fankultur erhalten“. Die NPD greift damit grundsätzliche Forderungen und Formulierungen der Arbeit von ProFans und weiteren fanpolitisch aktiven Organisationen und Gruppen auf.

Das deutliche Erstarken des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der Gesellschaft ist sehr besorgniserregend und gefährlich. Alle Teile der Gesellschaft sind daher aufgerufen, in ihren Bereichen Widerstand zu leisten und Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Toleranz zu verteidigen.
Der Wirkungsbereich von ProFans sind die Fußballstadien des Landes. Hier sind die Fans aufgerufen, sich gegen Rechtsextremismus und -populismus zu positionieren und engagieren.

Offenbar versucht die NPD erneut nicht nur rassistische Fußballfans für ihre Partei zu gewinnen, sondern auch bei Fans, die sich als „unpolitisch“ bezeichnen, Sympathisanten zu gewinnen. Während andere Parteien Fußballfans hauptsächlich als Sicherheitsrisiko behandeln und nutzen, wählt die NPD bewusst Slogans der aktiven Fanszene und Ultràbewegung. ProFans-Sprecher Jakob Falk: „Wir betonen unablässig, dass Rechtsextremismus mit unserer Fankultur nicht vereinbar ist. Nazis und Rassisten sind Feinde unserer aktiven, kritischen, lautstarken und bunten Fankultur. Wer rechts wählt,wählt gegen unsere Fankultur.“

Es ist zu vermuten, dass die NPD im Wahlkampf auch wieder vor Stadien auftauchen und ihre ideologischen Flyer verteilen wird. „Alle Fußballfans sind aufgerufen, sich gegen diese Einmischung von rechts in die Fankultur zu wehren. Lasst Euch nicht blenden! Entsprechende Versuche der Nazis vor den Stadiontoren müssen verhindert werden“, sagt Sig Zelt, Pressesprecher von ProFans.

ProFans ruft zur Solidarität mit allen antirassistisch engagierten Fußballfans auf. An vielen Standorten gibt es aktive Gruppen und Projekte, die sich gegen Diskriminierung einsetzen und sich z.B. um die Unterstützung von geflüchteten Menschen bemühen. „Die bestehenden antirassistischen Strukturen und Gruppen müssen dringend gestärkt werden. Aktive Fans in den Stadien dürfen mit ihrem Engagement nicht allein gelassen werden. Sie müssen gegen Angriffe von rechts geschützt werden und brauchen mehr Handlungsspielräume. Die Verantwortlichen der Verbände, Vereine, der Polizei und Politik sollten bedenken, dass viele der bestehenden Repressionen gegen Fußballfans auch ihr antirassistisches Engagement stark beeinträchtigen“, sagt Jakob Falk.

Für ProFans gilt bei diesem Thema nur ein Motto:

Kein Fußball den Rassisten!

ProFans im August 2016

Social World Cup 2018

26. Mai 2016
Kategorie: Allgemein

Wir haben uns entschlossen das Projekt “Social World Cup 2018″ zu unterstützen und weisen daher auf den Start des Crowdfundings hin.

Zwar gehören internationale Großturniere wie die alle vier Jahre stattfindende Fußball-WM nicht zu den klassischen Themen von ProFans, die korrupten Machenschaften der Fifa und die extreme Kommerzialisierung des Fußballs betreffen uns allerdings alle gemeinsam. Mehr Protest ist daher ganz in unserem Sinne. Die Idee ein internationales Amateurturnier mit sozialen Projekten zu verbinden, weist über den Protest hinaus. Wir finden das gut. Wer es ähnlich sieht, kann das Projekt mit einer kleinen Spende voranbringen.
Am vergangenen Freitag (20.05.2016) startete das Crowdfunding für den Social World Cup 2018.
Alle Infos zu der gemeinnützigen Fußballweltmeisterschaft gibt es hier und hier.

Zum Abschluss noch ein paar Infos vom Projekt selber.

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Das Social World Cup-Team braucht eure Unterstützung !

Am vergangenen Freitag den 20.5.2016 startete das Crowdfunding für den Social World Cup 2018. Wenn Euch die Idee überzeugt, spendet für das Projekt oder holt euch für eure Unterstützung ein Dankeschön ab, beides auf Startnext (https://www.startnext.com/socialworldcup2018). Infos zu der
gemeinnützigen Fußballweltmeisterschaft findet ihr unter http://www.socialworldcup.com und

https://www.facebook.com/socialworldcup/.

Worum geht es?

Hier stellt sich das Projekt selbst vor:

Wir, das sind überwiegend Studenten aus Köln, Bayreuth und Berlin, arbeiten seit einiger Zeit an einem für uns sehr spannenden und einmaligen Projekt, dem „Social World Cup 2018“. Im folgenden ein kurzer Überblick, worum es dabei geht.

Der „Social World Cup 2018“ – eine gemeinnützige Fußball-Amateurweltmeisterschaft im Sommer 2018.

Mit dem Turnier möchten wir vor dem Hintergrund der vermehrt negativen Schlagzeilen rund um den Fußball, Fußballverbände und Fußballgroßevents – insbesondere der FIFA und den FIFA-Weltmeisterschaften – die positive Kraft des Fußballs (z.B. in Bezug auf die Völkerverständigung oder die Entwicklung von Respekt, Toleranz & Fairness) wieder hervorheben. Es soll auf diese Weise ein konstruktives Zeichen gegen Missstände (z.B. eine Überkommerzialisierung, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen) im internationalen Fußballgeschäft gesetzt werden.

32 „Amateur-Nationalmannschaften“ aus aller Welt treten nach aktueller Planung im Sommer 2018 über einen Zeitraum von 18 Tagen in fünf deutschen Großstädten (Berlin, Köln, Hamburg, Leipzig, München) gegeneinander an. Neben einem unvergesslichen Sporterlebnis soll das Turnier Anlass zu politischen und gesellschaftlichen Diskussionen geben. Deshalb werden die Spiele von einem Rahmenprogramm bestehend aus Infoveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Benefizkonzerten, Streetfoodfestivals u.v.m. begleitet. Mit einem Crowdfunding ab Mitte Mai (20.5) soll das Projekt startfinanziert werden. Die Turniererlöse sollen gemeinnützigen Zwecken zugute kommen.

Tiefergehende Informationen zu uns und der Turnieridee findet ihr auf unserer Homepage http://www.socialworldcup.com/

Mit der Universität Bayreuth, ProFans oder Football Beyond Borders haben wir bereits einige Partner für das Projekt gewinnen können – wir sind jedoch weiterhin auf der Suche nach Faninitiativen, NGOs, Vereinen etc., die unsere Werte teilen und das Projekt unterstützen bzw. im Idealfall gemeinsam vorantreiben wollen.

Soweit zu dem Projekt an sich. Es ist ja so, dass am 20.5 das Crowdfunding gestartet ist, da wir bewusst zunächst keine Unternehmen etc. als Sponsoren/Geldgeber angesprochen haben, ist das ganze Projekt vom Erfolg des Crowdfunding abhängig. Das Crowdfunding kann dabei nur erfolgreich sein, wenn möglichst viele, sowohl Interesse an solch einem Projekt bekunden, als auch bereit sind, dieses mit einer kleinen Spende zu unterstützen. (Dafür soll es ja auch eine Gegenleistung geben) Somit geht es natürlich einerseits, um eine finanzielle Unterstützung, anderseits vor allem um wichtige Werte im Fußball, die immer mehr verloren gehen.

–> Vielleicht habt ihr mal eine ruhige Minute und guckt euch:
unsere Homepage: http://www.socialworldcup.com/
oder Facebook: https://www.facebook.com/socialworldcup/
oder Crowdfunding Page: https://www.startnext.com/socialworldcup2018 an.

Wenn ihr dann von dem Projekt ähnlich begeistert seid, wie wir, unterstützt uns doch bitte auf der Crowdfuning Page mit einer Spende. 10€ (nach oben natürlich offen:) tut keinem weh und es ist für einen guten Zweck. Je nach Betrag könnt ihr euch sogar noch eine Gegenleistung aussuchen und nach Bedarf gibt es auch für die Steuer eine richtige Spendenquittung.

(Sollte die benötigte Summe nicht zusammen kommen, bekommt ihr das Geld zurück überwiesen.)

Vielen Dank für eure Unterstützung.

Euer Social World Cup-Team

Montagsspiele und Gästefanverbote

Der 32. Bundesliga-Spieltag der Saison 2015/2016 wird als ähnlich schwarzer Moment für die Fankultur in die Geschichte eingehen, wie der 12.12.12 an dem das DFL-Sicherheitspapier verabschiedet wurde.
DFB und DFL treiben ihr Vorhaben voran, Montagsspiele auch in der Bundesliga einzuführen und lassen unter dem Vorwand des 1. Mai einen Testballon los. Lobbygruppen die Einfluss auf den Fußball haben wird damit entgegengekommen: Polizei und Innenminister haben einen fußballfreien 1. Mai und der übertragende Pay-TV Sender wird auf Grund der weiteren Zerstückelung des Spieltags zufriedengestellt. Nur der Fan bleibt wie so oft auf der Strecke und muss sehen, wie er auf die Schnelle eine weitere Auswärtsfahrt an einem Werktag organisiert bekommt.
Gerechtfertigt wird die Neuerung auch mit dem Hinweis, dass man den Vereinen VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund eine größtmögliche Erholung nach Europapokalspielen ermöglichen will. Dies könnte bedeuten, dass das bislang auf Montag den 2. Mai terminierte Spiel Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart noch mit Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg getauscht wird. So müssen sich also gleich vier Fanszenen auf ein Montagsspiel einstellen. Planungssicherheit Fehlanzeige. Robin Dutt, Sportvorstand des VfB Stuttgart, nennt es „absolut nicht nachvollziehbar“, dass das Spiel in Bremen montags stattfinden soll. Des Weiteren befürchtet Dutt, dass die Schwaben durch die Verlegung des Spiels „auf die Unterstützung eines Großteils der Fans verzichten“ müssen, was einem „Wettbewerbsnachteil“ gleichkommt. Am selben Spieltag setzt der DFB über sein Sportgericht ein komplettes Gästefanverbot beim Hessen-Derby Darmstadt gegen Frankfurt durch, auf das beide Fanlager schon seit Ewigkeiten warten. Parallel werden regelmäßig Fanszenen durch Zaunfahnen- und Choreografieverbote eingeschränkt. Reduzierte Gästekontingente sind mittlerweile die Regel.
Auf Forderungen der Fans scheint man in Frankfurt weder bei der DFL noch beim DFB zu hören. Dass die Umsetzung der Montagsspiele trotz vorhandener Strukturen gegenüber Fanorganisationen vorab nicht kommuniziert wurde ist bezeichnend und ein weiterer Schlag ins Gesicht. Der deutsche Fußball der im In- und Ausland zu einem großen Maße auch durch seine laute und bunte Fankultur repräsentiert wird, beraubt sich durch die aktuellen Einschränkungen und Spieltagsansetzungen einer seiner größten Stärken. Was in erster Linie zählt, ist die Generierung immer höherer finanzieller Einnahmen – ohne Rücksicht auf Verluste.
Trotz aller Rückschläge sollte man sich gerade jetzt als Fußballfan klar positionieren und für Faninteressen stark machen. Die Cannstatter Kurve hat es vorgemacht und vor einigen Tagen zu einem Boykott des Montagsspiels in Bremen ausgerufen. Die Aktionen rund um 12:12 an denen sich Fans jeglicher Couleur beteiligten, haben gezeigt, welche Wirkung ein überregionaler Protest erzielen kann. Nur als möglichst großer Zusammenschluss können wir den Fußball den wir alle kennen und lieben erhalten und einen Teil dazu beitragen, dass man von DFB und DFL nicht länger ignoriert wird.

Coloniacs im April 2016


Mehr zur Protestaktion der Canstatter Kurve gibt es hier