ProFans hat erfahren, dass es in Berlin im Zuge der Wahlen zum Abgeordnetenhaus erneut Plakate der rechtsextremen NPD gibt, mit denen die nationalistische Partei versucht, sich durch das Thema „Fankultur“ bei Fußballfans zu profilieren. Auf dem Plakat steht wörtlich „Pyrotechnik nicht kriminalisieren“ und „Fankultur erhalten“. Die NPD greift damit grundsätzliche Forderungen und Formulierungen der Arbeit von ProFans und weiteren fanpolitisch aktiven Organisationen und Gruppen auf.

Das deutliche Erstarken des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der Gesellschaft ist sehr besorgniserregend und gefährlich. Alle Teile der Gesellschaft sind daher aufgerufen, in ihren Bereichen Widerstand zu leisten und Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Toleranz zu verteidigen.
Der Wirkungsbereich von ProFans sind die Fußballstadien des Landes. Hier sind die Fans aufgerufen, sich gegen Rechtsextremismus und -populismus zu positionieren und engagieren.

Offenbar versucht die NPD erneut nicht nur rassistische Fußballfans für ihre Partei zu gewinnen, sondern auch bei Fans, die sich als „unpolitisch“ bezeichnen, Sympathisanten zu gewinnen. Während andere Parteien Fußballfans hauptsächlich als Sicherheitsrisiko behandeln und nutzen, wählt die NPD bewusst Slogans der aktiven Fanszene und Ultràbewegung. ProFans-Sprecher Jakob Falk: „Wir betonen unablässig, dass Rechtsextremismus mit unserer Fankultur nicht vereinbar ist. Nazis und Rassisten sind Feinde unserer aktiven, kritischen, lautstarken und bunten Fankultur. Wer rechts wählt,wählt gegen unsere Fankultur.“

Es ist zu vermuten, dass die NPD im Wahlkampf auch wieder vor Stadien auftauchen und ihre ideologischen Flyer verteilen wird. „Alle Fußballfans sind aufgerufen, sich gegen diese Einmischung von rechts in die Fankultur zu wehren. Lasst Euch nicht blenden! Entsprechende Versuche der Nazis vor den Stadiontoren müssen verhindert werden“, sagt Sig Zelt, Pressesprecher von ProFans.

ProFans ruft zur Solidarität mit allen antirassistisch engagierten Fußballfans auf. An vielen Standorten gibt es aktive Gruppen und Projekte, die sich gegen Diskriminierung einsetzen und sich z.B. um die Unterstützung von geflüchteten Menschen bemühen. „Die bestehenden antirassistischen Strukturen und Gruppen müssen dringend gestärkt werden. Aktive Fans in den Stadien dürfen mit ihrem Engagement nicht allein gelassen werden. Sie müssen gegen Angriffe von rechts geschützt werden und brauchen mehr Handlungsspielräume. Die Verantwortlichen der Verbände, Vereine, der Polizei und Politik sollten bedenken, dass viele der bestehenden Repressionen gegen Fußballfans auch ihr antirassistisches Engagement stark beeinträchtigen“, sagt Jakob Falk.

Für ProFans gilt bei diesem Thema nur ein Motto:

Kein Fußball den Rassisten!

ProFans im August 2016

Social World Cup 2018

26. Mai 2016
Kategorie: Allgemein

Wir haben uns entschlossen das Projekt “Social World Cup 2018″ zu unterstützen und weisen daher auf den Start des Crowdfundings hin.

Zwar gehören internationale Großturniere wie die alle vier Jahre stattfindende Fußball-WM nicht zu den klassischen Themen von ProFans, die korrupten Machenschaften der Fifa und die extreme Kommerzialisierung des Fußballs betreffen uns allerdings alle gemeinsam. Mehr Protest ist daher ganz in unserem Sinne. Die Idee ein internationales Amateurturnier mit sozialen Projekten zu verbinden, weist über den Protest hinaus. Wir finden das gut. Wer es ähnlich sieht, kann das Projekt mit einer kleinen Spende voranbringen.
Am vergangenen Freitag (20.05.2016) startete das Crowdfunding für den Social World Cup 2018.
Alle Infos zu der gemeinnützigen Fußballweltmeisterschaft gibt es hier und hier.

Zum Abschluss noch ein paar Infos vom Projekt selber.

—————————————————————————————

Das Social World Cup-Team braucht eure Unterstützung !

Am vergangenen Freitag den 20.5.2016 startete das Crowdfunding für den Social World Cup 2018. Wenn Euch die Idee überzeugt, spendet für das Projekt oder holt euch für eure Unterstützung ein Dankeschön ab, beides auf Startnext (https://www.startnext.com/socialworldcup2018). Infos zu der
gemeinnützigen Fußballweltmeisterschaft findet ihr unter http://www.socialworldcup.com und

https://www.facebook.com/socialworldcup/.

Worum geht es?

Hier stellt sich das Projekt selbst vor:

Wir, das sind überwiegend Studenten aus Köln, Bayreuth und Berlin, arbeiten seit einiger Zeit an einem für uns sehr spannenden und einmaligen Projekt, dem „Social World Cup 2018“. Im folgenden ein kurzer Überblick, worum es dabei geht.

Der „Social World Cup 2018“ – eine gemeinnützige Fußball-Amateurweltmeisterschaft im Sommer 2018.

Mit dem Turnier möchten wir vor dem Hintergrund der vermehrt negativen Schlagzeilen rund um den Fußball, Fußballverbände und Fußballgroßevents – insbesondere der FIFA und den FIFA-Weltmeisterschaften – die positive Kraft des Fußballs (z.B. in Bezug auf die Völkerverständigung oder die Entwicklung von Respekt, Toleranz & Fairness) wieder hervorheben. Es soll auf diese Weise ein konstruktives Zeichen gegen Missstände (z.B. eine Überkommerzialisierung, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen) im internationalen Fußballgeschäft gesetzt werden.

32 „Amateur-Nationalmannschaften“ aus aller Welt treten nach aktueller Planung im Sommer 2018 über einen Zeitraum von 18 Tagen in fünf deutschen Großstädten (Berlin, Köln, Hamburg, Leipzig, München) gegeneinander an. Neben einem unvergesslichen Sporterlebnis soll das Turnier Anlass zu politischen und gesellschaftlichen Diskussionen geben. Deshalb werden die Spiele von einem Rahmenprogramm bestehend aus Infoveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Benefizkonzerten, Streetfoodfestivals u.v.m. begleitet. Mit einem Crowdfunding ab Mitte Mai (20.5) soll das Projekt startfinanziert werden. Die Turniererlöse sollen gemeinnützigen Zwecken zugute kommen.

Tiefergehende Informationen zu uns und der Turnieridee findet ihr auf unserer Homepage http://www.socialworldcup.com/

Mit der Universität Bayreuth, ProFans oder Football Beyond Borders haben wir bereits einige Partner für das Projekt gewinnen können – wir sind jedoch weiterhin auf der Suche nach Faninitiativen, NGOs, Vereinen etc., die unsere Werte teilen und das Projekt unterstützen bzw. im Idealfall gemeinsam vorantreiben wollen.

Soweit zu dem Projekt an sich. Es ist ja so, dass am 20.5 das Crowdfunding gestartet ist, da wir bewusst zunächst keine Unternehmen etc. als Sponsoren/Geldgeber angesprochen haben, ist das ganze Projekt vom Erfolg des Crowdfunding abhängig. Das Crowdfunding kann dabei nur erfolgreich sein, wenn möglichst viele, sowohl Interesse an solch einem Projekt bekunden, als auch bereit sind, dieses mit einer kleinen Spende zu unterstützen. (Dafür soll es ja auch eine Gegenleistung geben) Somit geht es natürlich einerseits, um eine finanzielle Unterstützung, anderseits vor allem um wichtige Werte im Fußball, die immer mehr verloren gehen.

–> Vielleicht habt ihr mal eine ruhige Minute und guckt euch:
unsere Homepage: http://www.socialworldcup.com/
oder Facebook: https://www.facebook.com/socialworldcup/
oder Crowdfunding Page: https://www.startnext.com/socialworldcup2018 an.

Wenn ihr dann von dem Projekt ähnlich begeistert seid, wie wir, unterstützt uns doch bitte auf der Crowdfuning Page mit einer Spende. 10€ (nach oben natürlich offen:) tut keinem weh und es ist für einen guten Zweck. Je nach Betrag könnt ihr euch sogar noch eine Gegenleistung aussuchen und nach Bedarf gibt es auch für die Steuer eine richtige Spendenquittung.

(Sollte die benötigte Summe nicht zusammen kommen, bekommt ihr das Geld zurück überwiesen.)

Vielen Dank für eure Unterstützung.

Euer Social World Cup-Team

Montagsspiele und Gästefanverbote

Der 32. Bundesliga-Spieltag der Saison 2015/2016 wird als ähnlich schwarzer Moment für die Fankultur in die Geschichte eingehen, wie der 12.12.12 an dem das DFL-Sicherheitspapier verabschiedet wurde.
DFB und DFL treiben ihr Vorhaben voran, Montagsspiele auch in der Bundesliga einzuführen und lassen unter dem Vorwand des 1. Mai einen Testballon los. Lobbygruppen die Einfluss auf den Fußball haben wird damit entgegengekommen: Polizei und Innenminister haben einen fußballfreien 1. Mai und der übertragende Pay-TV Sender wird auf Grund der weiteren Zerstückelung des Spieltags zufriedengestellt. Nur der Fan bleibt wie so oft auf der Strecke und muss sehen, wie er auf die Schnelle eine weitere Auswärtsfahrt an einem Werktag organisiert bekommt.
Gerechtfertigt wird die Neuerung auch mit dem Hinweis, dass man den Vereinen VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund eine größtmögliche Erholung nach Europapokalspielen ermöglichen will. Dies könnte bedeuten, dass das bislang auf Montag den 2. Mai terminierte Spiel Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart noch mit Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg getauscht wird. So müssen sich also gleich vier Fanszenen auf ein Montagsspiel einstellen. Planungssicherheit Fehlanzeige. Robin Dutt, Sportvorstand des VfB Stuttgart, nennt es „absolut nicht nachvollziehbar“, dass das Spiel in Bremen montags stattfinden soll. Des Weiteren befürchtet Dutt, dass die Schwaben durch die Verlegung des Spiels „auf die Unterstützung eines Großteils der Fans verzichten“ müssen, was einem „Wettbewerbsnachteil“ gleichkommt. Am selben Spieltag setzt der DFB über sein Sportgericht ein komplettes Gästefanverbot beim Hessen-Derby Darmstadt gegen Frankfurt durch, auf das beide Fanlager schon seit Ewigkeiten warten. Parallel werden regelmäßig Fanszenen durch Zaunfahnen- und Choreografieverbote eingeschränkt. Reduzierte Gästekontingente sind mittlerweile die Regel.
Auf Forderungen der Fans scheint man in Frankfurt weder bei der DFL noch beim DFB zu hören. Dass die Umsetzung der Montagsspiele trotz vorhandener Strukturen gegenüber Fanorganisationen vorab nicht kommuniziert wurde ist bezeichnend und ein weiterer Schlag ins Gesicht. Der deutsche Fußball der im In- und Ausland zu einem großen Maße auch durch seine laute und bunte Fankultur repräsentiert wird, beraubt sich durch die aktuellen Einschränkungen und Spieltagsansetzungen einer seiner größten Stärken. Was in erster Linie zählt, ist die Generierung immer höherer finanzieller Einnahmen – ohne Rücksicht auf Verluste.
Trotz aller Rückschläge sollte man sich gerade jetzt als Fußballfan klar positionieren und für Faninteressen stark machen. Die Cannstatter Kurve hat es vorgemacht und vor einigen Tagen zu einem Boykott des Montagsspiels in Bremen ausgerufen. Die Aktionen rund um 12:12 an denen sich Fans jeglicher Couleur beteiligten, haben gezeigt, welche Wirkung ein überregionaler Protest erzielen kann. Nur als möglichst großer Zusammenschluss können wir den Fußball den wir alle kennen und lieben erhalten und einen Teil dazu beitragen, dass man von DFB und DFL nicht länger ignoriert wird.

Coloniacs im April 2016


Mehr zur Protestaktion der Canstatter Kurve gibt es hier

Faszination Fankurve hat das folgende Interview zum Fankongress 2016 mit uns geführt:

Fankongress 2016: Dialog zwischen Fans & Vereinen

Am 26. März 2016 organisieren Fans in Hannover einen neuen Fankongress. Ziel ist es, dass Fan- und Vereinsvertreter in einen Dialog kommen. Anders als bei den bisherigen Fankongressen handelt es sich dieses Mal um einen Einladungskongress. Faszination Fankurve sprach mit den Organisator_innen:

Faszination Fankurve: In wenigen Wochen wird es wieder einen Fankongress geben. Wann und wo findet dieser statt und wer wurde dazu eingeladen?
ProFans: Aufgrund der Termindichte bis zum Spielbetrieb der kommenden Saison gestaltete sich die Terminfindung schwerer als sonst und so entschieden wir uns für den 26. März. Anders als bei den beiden vorangegangenen Kongressen haben wir uns diesmal für einen reinen „Einladungskongress“ entschieden und alle Vereine und die meisten Fanszenen von Liga 1 bis zu den Regionalligen angeschrieben. Stattfinden wird der Kongress dieses Jahr in Hannover. Auch wenn die Vereinsführung von Hannover 96 in der Vergangenheit sicherlich nicht als Vorbild aufgetreten ist, könnte man den Ort auch als Sinnbild dafür sehen, dass Fans im Dialog mit Vereinsverantwortlichen durchaus etwas erreichen können.

Faszination Fankurve: Welche anderen Fanorganisationen sind in die Planungen mit eingebunden?
ProFans: Das Organisationsteam besteht erneut aus Vertreter_innen von Unsere Kurve und ProFans.

Faszination Fankurve: Wo können sich interessierte Fans oder auch Vereinsvertreter melden, die an der Teilnahme am Fankongress in Hannover interessiert sind?
ProFans: Die Vereine wurden im November postalisch und Anfang des Jahres nochmals per Mail eingeladen. Sollten Vereine auf diesem Weg ihr Interesse bekunden, können diese sich unter fankongress@profans.de melden. Aufgrund der geänderten Struktur des Kongresses ist eine offene Anmeldung dieses Jahr nicht möglich, sondern erfolgt repräsentativ aus den Fanszenen. Auch diese wurden per Mail eingeladen und auch hier gilt, dass man sich bei Interesse gerne melden kann.

Faszination Fankurve: Was ändert sich beim Fankongress 2016 im Vergleich zu den beiden letzten Fankongressen in Berlin?
ProFans: Wir haben dieses Jahr die Struktur komplett über den Haufen geworfen. Weg von den großen Runden, hin zu kleinen Tischen. Zudem haben wir diesmal schwerpunktmäßig die Vereine zur Teilnahme aufgerufen und wollen aus dem faninternen Rahmen einen Dialog zwischen Fans und Vereinen auf Augenhöhe und ohne Störgeräusche schaffen.
Die Fankongresse im Kosmos in Berlin sind vielen als gute Erinnerung im Kopf geblieben. Dennoch muss man konstatieren, dass echte Erfolge ausgeblieben sind. Daher sahen wir uns gezwungen den Charakter der Veranstaltung anzupassen und zu ändern.

Faszination Fankurve: Welche Vereins- und Fanvertreter haben ihr Kommen bereits zugesagt?
ProFans: Hier wollen wir nicht zuviel verraten, können aber sagen, dass einige Vereine der ersten Liga, sowie Vereine aus den Ligen Zwei bis Vier ihr Kommen mit repräsentativen Vertreter_innen bereits zugesichert haben. Zugleich appellieren wir aber auch auf diesem Weg an die Vereine, die bisher nicht zugesagt haben, sich noch anzumelden.
Die Einladung an die Fanszenen erfolgte ja erst vor kurzem, so dass wir da noch keine aussagekräftige Einschätzung geben können.

Faszination Fankurve: Der Dialog mit dem DFB wurde von euch und anderen Fanorganisationen für beendet erklärt. Verfolgt ihr mit der Organisation des Fankongresses das Ziel Dialogstrukturen ohne die Verbände zu etablieren?
ProFans: Beschreiben wir es mal so: Ein Dialog, bei dem die Verbände mit am Tisch sitzen, kann natürlich auch von Vorteil sein. Das macht in unseren Augen aber nur dann Sinn, wenn derartige Gespräche ehrlich und zumindest von allen Seiten annähernd auf Augenhöhe geführt werden können. Ein Dialog ohne konkrete Zielsetzungen, die Fans, Verbände und Vereine gleichermaßen bedienen, ist doch eigentlich auch Zeitverschwendung? Nach all den Jahren, in denen wir mit dem DFB an einem Tisch gesessen haben und dabei so gut wie nichts erreichen konnten, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir den Dialog auf anderer Ebene versuchen möchten. Mit dem Fankongress in Hannover haben wir eine Chance dies zu erreichen. Wir möchten ernst genommen und nicht nur als Sicherheitsrisiko verstanden werden. Hoffen wir, dass die Ergebnisse des Fankongresses genau diese Signale entsenden können.

Faszination Fankurve: In der DFB-Spitze hat es nach anhaltenden Korruptionsvorwürfen personelle Neuerungen gegeben. Ändert sich dadurch eure Bereitschaft mit dem Verband in den Dialog zu treten?
ProFans: Hier könnte man mit Goethe antworten: „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Am Ende ließ man uns von Seiten des DFB keine andere Wahl, so sehr wurde uns gezeigt, wie gering man dort geschätzt wird. Wenn beim DFB ernsthaftes Interesse an einer Wiederaufnahme des Dialogs besteht, kennen die Herren in Frankfurt unsere Bedingungen. Nur scheint man dort im Moment ganz andere Probleme zu haben…

Faszination Fankurve: Stehen die bei ProFans organisierten Ultrà- und Fangruppen nicht ohnehin schon in einem ständigen Dialog mit ihren Vereinen? Warum ist da noch ein Zusammenkommen zahlreicher Fan- und Vereinsvertreter notwendig?
ProFans: Der Fankongress soll keine Konkurrenz für den wichtigen Dialog vor Ort sein. Doch in Hannover bieten sich durch das ligenübergreifende Zusammenkommen von Vereinsvertreter*innen und Fans ganz andere Möglichkeiten des Austausches. Jeder Verein ist individuell und je nach Standort unterscheiden sich Voraussetzungen oder Probleme der Fangruppen. Doch wir sind der Überzeugung, dass es zu bestimmten Themen Schnittmengen gibt und der Blick über den Tellerrand für alle Beteiligten interessant ist, egal ob Ultrà aus Baden oder Verein aus NRW. Diese Schnittmenge gilt es als gemeinsame Position zu finden und festzuhalten und so ein Miteinander zwischen Fans und Vereinen herzustellen.

Faszination Fankurve: Für wie realistisch haltet ihr es, dass die Einführung von Montagsspielen in der 1. Bundesliga noch verhindert werden kann oder ist die Entscheidung in euren Augen längst gefallen?
ProFans: Die Frage symbolisiert im Prinzip eine ganz andere: wie wichtig sind Fans im Kosmos des professionellen Fußball im Jahr 2016? Wie wichtig sind die Anliegen derer, die diesen Sport so abheben von anderen Sportarten? Uns bleibt nur übrig zu appellieren, das Rad nicht zu überdrehen und sich an eben Genanntes zu erinnern. Wir gehen nicht davon aus, dass die Montagsspiele in der ersten Liga noch verhindert werden können. Dies heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass wir auch genau dieses Thema im Rahmen des Fankongresses bearbeiten werden. Wir erinnern uns an den großen Aufschrei, als die Montagsspiele in der zweiten Bundesliga eingeführt wurden. Heute gibt es nur noch wenige, die sich für dieses Thema interessieren. Das Thema Spieltagsansetzungen sollte einfach nicht in den Hintergrund geraten, und auch wenn der Kampf extrem schwer werden sollte, werden wir nicht aufhören, für jeden einzelnen Punkt, den wir als wichtig betrachten, zu kämpfen.

Faszination Fankurve: Nach dem Fankongress in Leipzig im Jahr 2007 wurde die Maximaldauer von Stadionverboten seitens des DFB reduziert. Dieser Erfolg der Fanorganisationen wurde Jahre später wieder zunichte gemacht und die Maximaldauer deutlich erhöht. Konnten die deutschen Fanorganisationen seit 2007 überhaupt einen Erfolg vermelden?
ProFans: Man muss sich wahrscheinlich eingestehen, dass der Großteil aus Abwehrkämpfen bestand und besteht. Unsere Erfolge zeigen sich eher darin, was es (noch) nicht gibt, als dass man konkrete Erfolge nennen könnte. Dies ist etwas, was einem einerseits bewusst sein muss, andererseits aber im Moment schlicht und ergreifend die Realität darstellt. Wir können versuchen den Status Quo aufrechtzuerhalten und punktuelle Verbesserungen zu erreichen, für mehr, so scheint es nach Ereignissen wie dem Scheitern der AG Fanbelange, reicht es im Moment nicht. So düster es klingt, im Vergleich zu anderen Profiligen ist allein dies ein Erfolg.

Faszination Fankurve: Nun zum Thema Verbandsstrafen: Das DFB-Sportgericht scheint direkte Sanktionen gegen Fangruppen teilweise nicht mehr in die Urteile zu schreiben. Vielmehr sind es die Vereine, die Sanktionen bereits vor Urteilsverkündung des DFB aussprechen (zum Beispiel Blocksperren in Münster und Rostock) oder Choreografieverbote festsetzen (Beispiel Nürnberg). Ein Thema, das ihr mit den Vereinen besprechen wollt?
ProFans: Die Wahl der Themen machen wir von Vorschlägen der Fans und Vereine abhängig. In der Einladung an die Vereine haben wir auch darum gebeten uns Themen zu nennen. Aber natürlich werden wir von uns aus Themen einbringen und mit den Fanszenen abstimmen. Dabei ist es wahrscheinlich und leider nötig, dass ein derartiges Thema auch auf die Agenda kommt.

Faszination Fankurve: Welche Reformen der DFB-Sportgerichtsbarkeit würdet ihr empfehlen?
ProFans: Wir sind der Ansicht, dass sich das Sportgericht des DFB um den Sport und nicht um die Fans kümmern sollte. Es kann und darf nicht sein, dass Vereine für das vom DFB definierte Fehlverhalten der eigenen Fans bestraft werden. Ein gesondertes Strafrecht für Fußballfans wird von uns kategorisch abgelehnt!

Faszination Fankurve: Das Thema Reduzierung von Gästekontingenten geht alle Fußballfans an, die zu Auswärtsspielen fahren. Wie kann die von einigen Politikern immer wieder geforderte Reduzierung von Gästekarten bei brisanten Duellen noch verhindert werden?
ProFans: Diese Aufgabe wird sicher immer schwieriger in einer Zeit, in der Wahlkampf auch mit Polizeieinsätzen und Medienhetze, auch außerhalb des Fußballs, betrieben wird und damit in der Öffentlichkeit ein gar nicht vorhandenes Bedrohungsszenario erst konstruiert wird.
Wir appellieren daran, sich der Bedeutung von Gästefans für die besondere Stimmung eines Derbys bewusst zu werden. Diese Stimmung ist etwas, was die Bundesliga anderen Ligen wie der Premier League voraus hat. Dies ist eine Ressource, die die Liga zu etwas Besonderem machen, abseits von wahnsinnigen Transfersummen. Statt in einen finanziellen Wettstreit zu treten, den man rational nur verlieren kann, sollte man sich lieber der eigenen Stärken bewusst werden. (Faszination Fankurve, 08.03.2016)

Auch für die bei ProFans angeschlossenen Gruppen ging mit 2015 ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Ein Jahr, gekennzeichnet durch unerfreuliche Ereignisse wie Fanutensilienverbote, Regressforderungen, fanfeindliche Anstoßzeiten und durch das Verlassen der Dialogstrukturen beim DFB. Lichtblicke im Sinne der aktiven Fans wurden, wenn überhaupt, zumeist lediglich auf lokaler Ebene erreicht.

Mit der Verleihung des Spielansetzungsmonsters SAM weist das Fanbündnis seit der Saison 2014/15 auf die Missstände bei den Spielansetzungen hin. „Durch einen immer weiter zerstückelten Spieltag und die unsäglichen Freitags- bzw. Montagsspiele wird es vielen Auswärts- und Heimfans immer schwieriger die Spiele ihrer Mannschaft zu besuchen“, fasst ProFans-Sprecher Jonas Negenborn zusammen. Eine Mischung aus kommerziellen Interessen und teilweise nicht nachvollziehbaren polizeilichen Auflagen führten zu untragbaren Ansetzungen auch in der Hinrunde 2015, an deren Ende die Fanszene des Hamburger Sportvereins als Gewinnerin des SAM gekürt werden musste.
Einziger kleiner Lichtblick bleibt hierbei, dass die DFL an ihrer Linie einer relativ frühen Terminierung festhält. „Dieser Umstand gibt den Fans schon mehr Planungssicherheit“, räumt Jonas Negenborn ein. „Nichtsdestotrotz führen die Fankurven hier eine Abwehrschlacht und es werden immer neue Spieltermine diskutiert.“ Zuletzt führte u.a. die Ansetzung der ersten Runde im DFB-Pokal zu einer Welle des Protestes in den Fankurven. ProFans weist mit Nachdruck darauf hin, dass aufgrund der fanfeindlichen Terminierungen selbst bei den Branchengrößen der Kartenvorverkauf teilweise immer schwerfälliger läuft.

Die Konfrontation mit Regressforderungen in existenzbedrohender Höhe, die lediglich auf einem fiktiven, künstlich geschaffenen und nicht wirklich entstandenen „Schaden“ beruhen, sehen viele Fans, aber auch Juristen, als herbes Unrecht. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit der AG Fananwälte forderte ProFans die Rücknahme des 9-Punkte-Papiers, das maßgeblich vom DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch verantwortet wurde. In den folgenden Gesprächen unterstrich der DFB noch einmal seine Vorstellungen von Dialog, die leider nur vorsehen, seine eigenen Ansichten zu artikulieren und keine Gegenmeinung anzunehmen. Letzte Urteile aus Hannover und Köln weisen aber darauf hin, dass die Rechtslage, entgegen der Behauptung des DFB, nicht ganz so eindeutig im Sinne der Vereine ist.

Im Widerspruch zu dem am Saisonbeginn vom DFB herausgegebenen Empfehlungsschreiben setzte dessen Sportgericht auch weiterhin Fanutensilienverbote ein, was die Fanszenen als Kollektivbestrafung empfinden und daher weder mittragen, noch einsehen, sondern, vielfach erfolgreich, zu unterlaufen versuchten. Dennoch bleibt als Effekt ein Angriff auf die Selbstverantwortung der Kurven, anstatt sie zu stärken. Der Umgang mit dieser Thematik zeigt dann auch auf, warum ProFans und andere Beteiligte im Herbst 2015 die Dialogstrukturen beim DFB verließen. „Ein Dialog auf Augenhöhe ist seit Jahren mit dem DFB nicht möglich“, so ProFans-Sprecher Alex Schulz. „Es wurde von Fanseite viel ehrenamtliche Arbeit und Zeit investiert, aber der Verband ist in seiner Struktur unflexibel, intransparent, unzuverlässig und nicht entscheidungsfähig.“

Die kurze Zeit später aufkommenden Fragen rund um die WM-Vergabe 2006 und der Umgang mit den Vorwürfen sind aus der Sicht von ProFans stellvertretend für einen DFB, der in veralteten Strukturen und Personal verhaftet ist. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass der DFB sich eine Struktur und Führungspersonen geben kann, die für Transparenz und saubere Verbandsarbeit stehen. Daher hält ProFans grundlegende Reformen im DFB für notwendig, die weit über das Auswechseln einiger weniger Spitzenfunktionäre hinausgeht. Kurzfristig gehört dazu eine Reform des DFB-Sportgerichts, das zur Zeit als eigene machtvolle Instanz zur weiteren Eskalation zwischen Fans und Verbänden beiträgt und das sich auf sportliche Fragen beschränken sollte.

Auch 2016 stehen für die Fans ungewisse Zeiten an. Bei der kommenden Neuausschreibung der TV-Rechte drohen weitere Verschlechterungen bei den Spielterminen. Allerdings haben die DFL und die Interessenten es selbst in der Hand, hier nun einzulenken und der deutschen Fankultur Luft zum Atmen zu geben. Gerade in Zeiten, in denen der sportliche Wettbewerb an Spannung zu wünschen übrig lässt, sind stimmungsvolle und farbenfrohe Fankurven inzwischen weitgehend zu einem Alleinstellungsmerkmal des deutschen Fußballs unter den europäischen Topligen geworden. „Mehr Geld würde den Weg der Entfremdung des Fußballs von seinen Fans nur noch manifestieren“, urteilt ProFans-Sprecher Sig Zelt. „Die Aufblähung des finanziellen Umsatzes und der Spielergehälter macht den Fußball keineswegs attraktiver; vielmehr sind es die Massen an Fans, von deren Emotionen der Fußball lebt.“

Neben den genannten kritischen Punkten sieht ProFans für das Jahr 2016 insbesondere die Infragestellung der 10 %-Regel für Gästefans als gravierendes Problem. Maßgeblich auf Veranlassung der Sicherheitsbehörden mussten die Fans in den letzten Monaten immer wieder Ticketreduzierungen hinnehmen. Wie unsachlich dabei die Forderungen und realitätsfremd die Einschätzungen der Polizei sind, zeigen die Diskussionen rund um das Revierderby. ProFans hat den Eindruck, dass sowohl Sicherheitspolitiker wie auch polizeiliche Kräfte sich auf Kosten von Fußballfans profilieren wollen und damit vom eigenen Versagen in anderen gesellschaftlichen Bereichen abzulenken versuchen. „Die Auswärtsfans sind nicht das Problem, sie sind nur die Gruppe mit der kleineren Lobby. Anstatt die Anzahl zu reduzieren und gerade die Besonnenen unter ihnen durch schikanöse Bedingungen zu vergraulen, kommt es vielmehr darauf an, Letztere zu stärken“, bringt ProFans-Sprecherin Gloria Holborn die Meinung der Fans zum Ausdruck.

Die bei ProFans organisierten Fanszenen werden weiterhin den Finger in die Wunde legen und Missstände auch im Jahr 2016 benennen und bekämpfen.

ProFans im Januar 2016